Kunst kommt von Machen: Das Wiener Popfest 2019


KATHARINA SEIDLER

01.08.2019

Auf schöne Weise hat das Popfest gezeigt, dass ein Line-up mit Männer-Minderheit im Jahr 2019 kein Problem und eigentlich auch keine Riesensache mehr ist. Im Lauf des Konzertmarathons traf ein nicht selten akademischer Pop-Zugang auf für uns persönlich spannendere, weil dringlichere Sound-Entwürfe, in denen die Musik als Befreiungsschlag und lautstarkes Aufbegehren zelebriert wurde. Die steirische Rapperin Kerosin95 etwa erschuf aus ihrer Wut über oft erlebte Homophobie und Alltagsdiskriminierung funky Sprechgesang-Popsongs, die über den Akt der Selbstermächtigung hinaus mitreißen. Dacid Go8lin, Mitbegründerin des Kollektivs Femme DMC, rappt auf Albanisch, Deutsch und Englisch aus sowohl queerer als auch migrantischer Perspektive, ohne je den moralischen Zeigefinger zu heben. „Kunst kommt vom Machen, nicht vom stundenlangen Diskutieren“ lautet ihr Credo. Laut und explizit wurde es auch in den antikapitalistischen Hardcore-Punk-Hymnen der Petrol Girls. Das große Publikum beim Gratisfestival Popfest ist genau die richtige Crowd dafür.

VORSCHAU

DONNERSTAG (1.8.): Kobermann & Akrüül beschallen das Wien Museum mit krautig-EBMig-weirden Sounds; Sissyboy und Drehli Robnik legen auf der Fluc Terrasse unter dem schönen Motto „We don’t need that neoliberal-ohrwaschlfascist groove thang“ auf.

FREITAG: Die „Freekends“ in der Grellen Forelle starten mit der Crew von Techno.Deluxe, die FM4-DJs Slack Hippy & Sebastian Schlachter beschallen die Impulstanz-Lounge im Burgtheater Vestibül mit Techno und Electro zwischen „gemäßigt“ und „härter“, und im Werk treffen bei F*cken Plus Techno von Gerald Van Der Hint und Pop von Phirbit & Bambi aufeinander.

SAMSTAG: Der Club Pompadour lädt ab 15 Uhr zum Open-Air-Rave auf die Arenawiese. Zanshin und Sam Irl mischen im Burgtheater Vestibül dicke Beats und gebrochene Rhythmusstrukturen. Im Werk gibt es ein Gastspiel der Salzburger Techno-Gesandten DJ Hybris und 3st, beim 90ies Club im Fluc läuft alles zwischen Rock und Eurodance, und bei der Juju-Love-Records-Party in der Grellen Forelle verlegt u.a. Jillian funky (Tech-)House. Joyce Muniz lädt ihren brasilianischen Landsmann L_cio an die Decks des Sass.

SONNTAG: Johnny Geigers wunderbar schräge Dream-Pop-Entwürfe erklingen um 18 Uhr beim Salon Skug im Central Garden.


Flyer der Woche ausgesucht von Lisa Kiss

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