Wenn einer eine Regierung umbilden tut

Wie die Regierungsumbildung sicher nicht abgelaufen ist. Wobei: Wer weiß das schon?


HARRY BERGMANN

13.05.2022

Bundeskanzler Nehammer bei der PK zur Regierungsumbildung. Was davor geschah, wissen wir nicht. Aber unser Kolumnist kann es sich vorstellen | Foto: APA/ Roland Schlager

Karl Nehammer (geht aufgeregt auf und ab und spricht halb zu sich, halb zu der nicht anwesenden Kathi Nehammer, halb zu „Es ist vorbei-Elli“ Köstinger, halb zu „Du-bist-gegangen-aber-Dein-Lebenswerk-bleibt-Gretl“ Schramböck, halb zu den vielen, alten und neuen Regierungskollegen und -kolleginnen, deren Namen man sich nicht mehr merken kann, aber auch nicht merken muss):

„Kathi!!! Immer wenn man sie braucht, ist sie nicht da. Kathiiii!!!! Sicher wieder mit der Cobra shoppen. Na ja, besser kaufen als saufen. Kathiiiiii!!! Es ist was passiert: die Elli ist weg. Einfach so. Grad war‘s noch da. Schuld ist sicher der Basti, der Hundling. Der hat ihr message controlled, dass sie sich eine Woche vor dem Parteitag aus dem Staub machen soll, ohne Ankündigung. Und was macht sie? Na genau des! Und ich bin wieder der Depperte. ,Keine Leadership!‘ sagen jetzt wieder alle. Was heißt das eigentlich, Kathi?“.

Auf dem Schreibtisch liegen einige vollgekritzelte Bögen Papier, daneben eine alte BILD-Zeitung, aus der Zeit, als ein gewisser Diekmann noch Chefredakteur war, mit der Headline „Wir sind Papst.“ Papst ist durchgestrichen und mit der Hand darübergeschrieben „… am Sand.“

Nehammer nimmt den Stapel Papier, wirft ihn in die Luft und macht sich Luft: „Die Rede für den Parteitag kann ich mir jetzt in die Haare schmieren. Apropos: Kathi, Du hast meine Haare schlecht geschnitten. ich schau ja aus wie der … wie heißt der mit den langen Haaren, der keine langen Haare mehr hat… na der aus Graz, der Reaktor, Pavlicek oder so … wie soll ich mir alle paar Wochen einen neuen Namen merken?“

Er spricht zu der gerade mit 8 Einkaufssackerln und 4 Cobra Männern (jeder Cobra Mann 2 Sackerln) Nachhause gekommenen Kathi: „Im Parteitag-Programm steht „Grundsatzrede des Bundeskanzlers“. Grundsatz? Ich habe weder einen Grund noch einen Satz. Kathi, ich brauch einen Grundsatz.“

Er jammert: „Was mach ich ohne die Elli? Wer wird jetzt den Burggarten zusperren, wenn wir den Ludwig ärgern wollen? Wer wird mich immer „unser Bundeskanzler Seba-ähhh Karl Nehammer“ nennen? Wer wird dem Strolz sagen „Es ist schon lang vorbei, Matthias, red‘ mit Deinem Baum“?“

Er greift erzürnt zum Telefon und wählt: „Elli, bist Du’s? Ah, Du bist net die Elli, Du bist die Gretl. Gut, dass Du mich anrufst. Was sagst Du zur Elli? So a Sauerei. Dabei wollt’ ich nur, dass Du Dich schleichst. Was? Das muss ich zuerst mit dem Landeshauptmann besprechen? Von wo kommst Du überhaupt? Ah, Tirol. Ich ruf den Wilfried gleich an. Den Günther! Ok, ruf ich halt den Günther an. Bleib im Kaufhaus Österreich, damit ich weiß, wo ich Dich nachher erreich.“

Nehammer wählt Günther Platter. Der hebt in der Sekunde ab. Er schläft seit 3 Tagen auf seinem Handy: „Griaß di, Günther oder Grüß‘ di, Ginther, ich will mich von der Schramböck Gretl trennen. Aha, das weißt Du schon seit Wochen. Und Du hast auch schon einen guten Mann für mich. Wie heißt der? Todschick? Aha, nicht todschick, Totschnig!! Schad, todschick hätte sich die Kathi besser gemerkt. Der ist immer so positiv? Gut, das wird er brauchen können als neuer Wirtschaftsminister. Nein? Der wird Landwirtschaftsminister. Und wer wird dann Wirtschaftsminister? Aha, das geht Dich nichts mehr an.“

Nehammer einigermaßen verwirrt. Insbesondere über die letzten Worte von Platter, die er zwar nicht persönlich nehmen sollte, aber doch tut „Jaa, da leckst mich am Orsch.“

Nehammer zerknirscht: „Da muss ich jetzt die Hanni anrufen. Sie hat g‘sagt, wenn ich mich nicht auskenne, soll ich immer sie fragen. Sie sagt mir dann, was ich machen soll.“

Nehammer erreicht Mikl-Leitner nicht und fragt Kathi, die gerade so nett mit den Cobra-Leuten zusammensitzt: „Kathi, ich brauch einen Wirtschaftsminister, der schuld ist, dass alles teurer wird. Wen muss ich da fragen? Wien, Burgenland, Niederösterreich, Steiermark, Kärnten kennst Du noch ein Bundesland? Nein, Vorarlberg frag ich sicher nicht. Der Wallner ist ja noch ärger, als die Elli und die Gretl. Der tritt ja nicht einmal zurück. Und ich bin schon wieder der Depperte, weil ich gesagt hab: die ÖVP hat kein Korruptionsproblem.“

Nehammer hat plötzlich eine Idee. „Ich frag einmal den Koffer. Ich mein Kocher, den Koffer.“

Wählt Kocher: „Du, Kocher. Sind wir eigentlich per Du? Du kennst Dich doch aus mit der Sauwirtschaft. Ich brauch einen Minister. Kennst einen? Nein, den kenn ich nicht. Den auch nicht. Den auch nicht. Ich kann und will mir auch keine neuen Namen merken. Vielleicht macht’s der Schalli oder der Rauch? Oder Du?! Ja, genau Du! Aha, wir sind gar nicht per Du! Wurscht, ich mach Dich zum Superminister. Zum Super Mario. Hahaha. Mario Kocher, das merk ich mir.“

In der Zwischenzeit erhält Nehammer 6 Whatsapps. Von jedem Bund eines. „Rückruf nicht notwendig. Wir bekommen einen Minister oder mindestens einen Staatssekretär. Anbei unsere verbindliche Namensliste. Alles schon abgestimmt.“

Nehammer erleichtert: „Na, dann hammas ja. Wenn das keine Leadership ist, dann weiß ich nicht.“

Nehammer ist mit sich selbst zufrieden und summt ein Liedchen: „Elli und Gretel, die gingen in den Wald, es war so finster und auch so bitter kalt.“

War sicher nicht so, aber sicher auch nicht nicht so.

Meint,

Ihr Harry Bergmann


Dr. Harry Bergmann, Werbedilettant (gar nicht einmal so schlecht), Kolumnisten-Dilettant (na, ja…). Hat durch das Schreiben einige Freunde verloren, aber mehr gewonnen (glaubt er zumindest). Denkt seit einiger Zeit darüber nach, ob der Flug Wien – Tel Aviv ein Hinflug oder ein Rückflug ist.

Zuletzt erschienen:

Nr. 134 Ein Brief über zwei Briefe (09.05.2022)
Nr. 133 Innere Dialoge an den Rändern (06.05.2022)
Nr. 132 Als x noch kein y war (18.04.2022)
Nr. 131 Schleimspur im Gegenwind oder Der Homo Politicus Zachiens (11.04.2022)
Nr. 130 „... und dann sah ich plötzlich viel Blut.“ (10.04.2022)
Nr. 129 Am anderen Ende des Seins (04.04.2022)
Nr. 128 Schuster, bleib bei deinen Leisten (29.03.2022)
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Nr. 126 Der Staat gegen mich (13.03.2022)
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Nr. 117 Zeit der Antisemiten (25.01.2022)
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