Musik für Flöte, Violine und Gitarre

Trio Swete-Bertel-Sepec, Joseph Kreutzer, Franz Schubert,...


Ensemblegeister

Gute Stimmung verbreiten sie wahrlich nicht, die "Neuen Wiener Lieder", die das Attensam Quartett unter dem Titel "a.qua.plus" (Extraplatte) gerade veröffentlicht hat. In tonlosem Pizzicato lässt Oskar Aichinger die "Greißleruhr" aus H.C. Artmanns Gedicht "winta" ticken und beschwört eine Tristesse herauf, die zu ertragen schon einiges an seelischer Ausgeglichenheit erfordert. Christian Muthspiel sieht mit Günter Brödl resigniert dem "anfang vom end" entgegen. Die (klassischen) "Ottakringer Tänze" von Karl Mikulas sprechen in ihrer tränenseligen Bewegungslosigkeit dem Titel Hohn, während Christoph Cechs Vertonung von Gerhard Rühms "botswaach" genau so klingt, wie sie heißt.

Die Zukunft des raunzig-z'wideren Wienerlieds ist also sichergestellt. Annette Bik und Sophie Schafleitner (Violinen), Ingrid Eder (Knöpferlharmonika) und Michael Öttl (Kontragitarre) sowie Sänger Walter Raffeiner widmen sich der klingenden Depression mit aller gebotenen seelischen Hingabe, mit großem musikalischen Gespür für die gewisse Brüchigkeit und in einem gut eingespielten Ensemblegeist. Das zu hören macht dann trotz aller Schwärze doch auch wieder - Spaß.

Ähnliches gilt auch für das Ensemble Amarcord Wien. Sebastian Gürtler (Violine), Michael Williams (Cello), Tommaso Huber (Akkordeon) und Gerhard Muthspiel (Kontrabass), allesamt praktizierende Orchestermusiker, überzeugen schon seit fünf Jahren mit originellen Arrangements (Mussorgsky, Piazzolla) für ihre ungewöhnliche Besetzung und mit hinreißendem kammermusikalischen Esprit. Letzterer vor allem zeichnet ihr neues Album, "Satie" (Material Records/Lotus), aus. Denn die Bearbeitungen der sarkastisch pointierten, minimalistischen Musik des kuriosen Franzosen Erik Satie erinnern bisweilen doch sehr an Michael Nymans Pseudorokoko-Geschrubbe ("Ogive 1") oder klingen wie der Soundtrack zu einem Parisfilm à la "Amélie" ("Valse-Ballet"). Mit Saties bissigen Kommentaren zum Salonleben der Bohème haben sie jedenfalls weniger zu tun als mit einer instrumentalen Version zeitgenössischer Lounge Music.

Für eine ebenfalls rare Kammerbesetzung haben Alexander Swete (Gitarre), Eugen Bertel (Flöte) und Daniel Sepec (Violine) Raritäten und Bearbeitungen aus dem frühen 19. Jahrhundert ausgesucht. Auf ihrer titellosen CD (VMS/Extraplatte) beweisen sie in zwei Rossini-Ouvertüren und in kleinen, feinen Trios von Joseph Kreutzer, Franz Schubert und Ferdinando Carulli Virtuosität und Spielwitz - und zeigen sich als echte Ensemblegeister.

Carsten Fastner in FALTER 40/2005



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