Who Made Who

Who Made Who


Allerlei Elektroides

An sich ist die Mischung aus Elektro, HipHop, Datapop, Discoglam und schlüpfriger Performance von Princess Superstar ja extrem aufregend, ihr neues Album "My Machine" (!K7/Soul Seduction) hat nur leider ein kleines Dosierungsproblem. Die meisten der 25 Tracks sind - für sich genommen - toll, in Summe aber einfach etwas zu viel des Guten. Da nützt auch der konzeptuelle Überbau des Albums als futuristische Botschaft nichts - es sei denn, man ist bereit, mit der Prinzessin knapp achtzig hörspielartige Minuten durch Zeit und Raum zu reisen.

Kompakter geht das dänische Trio Who Made Who auf seinem schlicht "Who Made Who" (Gomma/MM Mediatrade) betitelten Debüt zu Werke, obwohl 15 Stücke immer noch ein ordentlicher Brocken sind. Langweilig wird einem aber nicht mit dieser gut geerdeten, lässig groovenden und nie aufdringlich drängelnden Mischung aus vifem elektroiden Pop und der Früh-Achtziger-Artschool-Version von Disco.

Mit einer pfiffigen Mischung aus Klugscheißer-Elektropop und Synthetiksoul punktet der charmant spinnerte US-Ironiker Matthew Curry alias Safety Scissors auf seinem mit Gastauftritten von Erlend Oye, Françoise Cactus, Kevin Blechdom und Vladislav Delay gespickten neuen Album "Tainted Lunch" (scape/Ixthuluh). Artsy, but not fartsy sozusagen, im Zweifelsfall aber wohl eher in der Galerie als im Club zu Hause.Artsy, but not fartsy sozusagen, im Zweifelsfall aber wohl eher in der Galerie als im Club zu Hause. Für Letzteren haben wiederum die belgischen Dance-Rocker Soulwax ihr aktuelles Album "Any Minute Now" aufmunitioniert und die neuen Versionen gleich in eine Nonstopmix gepackt: Über weite Strecken zeigt sich "Nite Versions" (Pias/edel) der Hysterie am Dancefloor verpflichtet und funktioniert so als technoides Integrationsangebot an den aufrechten Freund heftig gewürgter Luftgitarren.

Als erholsam-entspannendes Gegenstück dazu fungieren die kontemplativen Electronic-Listening-Entwürfe der in New York lebenden Wienerin Susanne Brokesch, wobei "Emerald Stars" (Chicks On Speed / Ixthuluh) trotz des ambientösen Grundkonzepts auch rhythmische Momente zulässt, sogar eine sehr freie Interpretation von David Bowies "Heroes" findet sich auf diesem Album.

Sich selbst covert das Berliner Elektropunkduo Cobra Killer auf "Das Mandolinenorchester" (Monika/Ixthuluh) - und zwar ganz ohne Elektro und Punk, dafür unterstützt von der Mandolinengruppe Kapajkos. Das Ergebnis ist gewöhnungsbedürftig, aber nicht ohne Reiz.

Gerhard Stöger in FALTER 39/2005



ANZEIGE


FALTER abonnieren
×