Live at the House of Tribes

Wynton Marsalis


Man kann gegen Wynton Marsalis, den selbst ernannten Aufsichtsratsvorsitzenden der Jazz-Tradition, alles Mögliche einwenden, aber nicht, dass er nicht Trompete spielen könne. Diese lyrische Geschmeidigkeit! Diese Leichtigkeit selbst in der Attacke sicher getroffener Höhen! Nur: Ins Herz trifft einen dieser Mann nicht. Auch diese Live-Aufnahmen haben den Charakter einer Simulation. Von Thelonious Monks "Green Chimneys" und der knappen Schlussnummer abgesehen, sind ausschließlich Standards versammelt, die alle nach dem gleichen Muster durchgenommen werden: Bei Balladen werden im Laufe der zum Teil auch recht länglich geratenen Interpretationen (17:46) zwei, drei Gänge zugelegt, auf ausführliche Trompeten- und Saxofonsoli folgen kürzere Statements der Rhythm Group. Die Stimmung ist hörbar aufgekratzt, wenn der Leader wieder einen besonders hohen Ton trifft, werden anerkennende Ausrufe ausgestoßen. In Wirklichkeit war Jazz schon mal aufregender.

Klaus Nüchtern in FALTER 36/2005



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