Anniemal

Annie


Der Rhythmus des Herzens

Die norwegische Elektropopsängerin Annie packt Discohedonismus und melancholische Untertöne in ihr Debüt "Anniemal".

Eigentlich steht im Taufschein Annie Lilia Berge Strand. Weil aber kein Popstar Annie Lilia Berge Strand heißt, nennt sich die junge Frau aus der von Bands wie Röyksopp und Kings Of Convenience bevölkerten norwegischen Popmetropole Bergen kurz und bündig Annie. Annie, wie in: Kylie. Oder auch: Madonna.

Mit diesen beiden Popikonen teilt sie auch die gesanglichen Qualitäten, und wie bei den berühmten Kolleginnen macht es auch bei Annie nichts aus, dass die Stimme eher ein Stimmchen ist. Bedeutender sind ohnehin die Gemeinsamkeiten im Popverständnis: Auch Annie geht es um Oberflächenglanz, der Tiefgang zwar zulässt, aber nie erzwingt; um scheinbar Banales, das sich in große, universell verständliche Kunst verwandeln kann; kurz: um magische Momente, konzentriert in knapp vier Minuten Musik. Und von diesen Momenten beinhaltet das Debütalbum "Anniemal" durchaus einige - allen voran die fantastische aktuelle Single "My Heartbeat" -, weshalb man Annie auch jene lieblich dahinplätschernden Stücke gerne nachsieht, in denen Banales dann ganz einfach banal bleibt.

Dass die Fröhlichkeit der Songs, die Discohedonismus und Achtzigerjahrepop in zeitgemäßen Elektropop-Produktionen kurzschließen, kaum ohne melancholische Untertöne auskommt, ist kein Zufall. "Anniemal" sollte ursprünglich mit Annies Produzentenpartner und Lebensgefährten Tore "Erot" Kroknes entstehen, der 2001 aber 23-jährig an einem angeborenen Herzfehler starb. "Ich war lange nicht in der Lage, irgendwas zu tun", erinnert sich die Sängerin. "Dann aber habe ich mir gesagt: Okay, du bist deprimiert, aber du musst dieses Album machen. Tore wäre stinksauer, wenn du jetzt mit allem aufhörst."

Ihr gemeinsam produziertes und zur Jahrtausendwende zum internationalen Underground-Clubhit avanciertes Debütstück "The Greatest Hit" ist auf "Anniemal" noch einmal zu hören. Als Ausgangsmaterial des Songs fungierte das Sample einer anderen Debütsingle - Madonnas "Everybody". "Music makes the world go round. You can turn your troubles upside down. Gonna have to change your mind. Gonna leave your troubles behind", sang diese 1982. Das passt nicht nur gut zu Annies Geschichte, sondern würde auch sehr gut auf "Anniemal" passen.

Gerhard Stöger in FALTER 35/2005



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