Haus des Meeres

Ernst Molden


Ernst Molden ist der Leonard Cohen von Wien. Er ist nicht schön, doch sehr charmant; er schreibt wie ein Dichter und singt wie ein Henker. Eigentlich ist er zu jung für diese Stimme, die so rau und so dreckig klingt wie das Leben, wer's kennt. Damit keiner glaubt, dass er es mit einem Liedermachersoftie zu tun hat, geht Moldens neues Album gleich so scheppernd und dröhnend los, dass man die Lautstärke entweder erschrocken zurücknimmt oder verwegen bis zum Anschlag aufdreht: "Wir sitzen in der flachen Hand des Lebens", genau. Alle, die darunter leiden, dass Wien nicht am Meer liegt, sollten sich "Haus des Meeres" anhören. Es hilft. Die Platte fühlt sich an wie ein erfüllter Urlaubstag mitten in der schwülen Stadt. "Verrückter alter Sommer", singt Ernst Molden. "Perfekter alter Sommer."

in FALTER 32/2005



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