Oort-Entropy

Barry/New Orchestra Guy, Jazz Contemporary


Nachdem die fantastische Free-Improv-Bigband London Jazz Composers Orchestra nach fast drei Jahrzehnten 1998 den Betrieb eingestellt hat, suchte sich ihr Vorsteher Barry Guy ein etwas kompakteres Ensemble mit altgedienten Fixgrößen der Szene (Pianistin Marilyn Crispell wurde durch Augusti Fernández ersetzt, der indes sehr gute Figur macht), das nun sein zweites Album vorlegt. In drei jeweils von einem Dialog zwischen Bassist Barry Guy und einem Saxofonisten eingeleiteten Teilen (herausragend: Evan Parker in Part II) werden verschiedene Zustände im Kontinuum zwischen Chaos und Ordnung erspielt. Flirrende Vielstimmigkeit wechselt mit wuchtigen Orchestertutti, vitalen Solosprints und erhaben-harmonischen Momenten des Innehaltens, die an die poetische Melancholie der frühen Carla Bley oder an den großen Arrangeur Charles Mingus erinnern. Dringende Empfehlung!

Klaus Nüchtern in FALTER 32/2005



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