Lost Direction

Shibusa Shirazu


Der letztwöchige Auftritt der grandios durchgeknallten Gesamtkunstwerkbigband in der Szene Wien muss als heißer Bewerber um den Titel "Konzert des Jahres" gelten. Wer ihn verpasst hat, kann sich auf dem vorliegenden Livemitschnitt aus Tokio zumindest musikalisch einen Eindruck verschaffen - auch wenn die Band hier nur zwölf Kopf hoch ist (und Butho-Tänzer, Go-go-Girls und Livezeichner auf CD naturgemäß nicht so gut kommen). Der hymnische, mit turbobalkanischen Zwischenspurts versehene Ohrwurm "Naadam", in Wien zu einem furiosen halbstündigen Crescendo ausgewalzt, ist hier in zügigen acht Minuten zu hören, wie hier überhaupt den Einzelstimmen größeres Gewicht verliehen wird und die Einflüsse des elektrifizierten Miles Davis und des späten Gil Evans (das Tubasolo!) etwa auf dem vergleichsweise "kontemplativen" "Yukue Shirazu" dominanter sind. Als Saalräumer gibt's dann noch den Heavy-Listening-Knaller "Ee janai ka", was auf Deutsch in etwa so viel wie "Lass uns die Copacabana aufmischen" bedeuten dürfte.

in FALTER 25/2005



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