This Is the Slow Club

Hansi Lang, Thomas Rabitsch, Wolfgang Schlögl


Musik zum Schmusen Die New-Wave-Ikone Hansi Lang, der Falco-Keyboarder Thomas Rabitsch und der Elektroniker Wolfgang Schlögl betreiben mit dem ambitionierten Slow Club ein genreüberschreitendes Songbookprojekt, das jetzt auch als CD vorliegt. Wolfgang Schlögl wurde in letzter Zeit nicht nur einmal gefragt, was er denn pro Stunde für seine Arbeit mit den beiden Austropoppern bezahlt bekäme. Die Antwort "gar nichts" irritierte seine Szenebekannten noch mehr als die Tatsache, dass das auch als I-Wolf bekannte Mitglied der Sofa Surfers überhaupt gemeinsame Sache mit Hansi Lang und Thomas Rabitsch macht. Schlögl, der mit seinen neuen Bandkollegen mittlerweile auch befreundet ist, hat in erster Linie künstlerisches Interesse an dem seit letztem Sommer bestehenden Slow Club und beweist so, dass es ziemlich cool sein kann, das Terrain vermeintlicher Coolness bewusst zu verlassen. "Vor zwei, drei Jahren hätte ich dieses Projekt wahrscheinlich noch nicht machen können", gesteht der Wiener Musiker. "Inzwischen haben sich die Parameter für mich aber verändert: Ich habe eine viel zu umfassende Liebe zur Musik entwickelt, als dass ich nur mehr im Kontext der Danceszene gesehen werden wollte." Ausgegangen war die Initiative zur Kooperation von Thomas Rabitsch. Er wollte seiner zuvor bereits im Duo mit Hansi Lang zubereiteten Suppe - intim arrangierte Coverversionen ausgewählter Standards des American Songbook - mehr Würze, der Produktionsarbeit mehr Spannung verleihen. "Als Konsument hatte ich Wolfgangs Arbeit zwar schon längere Zeit verfolgt", erinnert sich Rabitsch. "In Hinblick auf unsere Zusammenarbeit habe ich aber noch einmal bewusst ein I-Wolf-Konzert im Chelsea besucht. Das war ein irrsinnig heftiger Abend, und am Nachhauseweg dachte ich mir, dass das extrem spannend würde - so ein lauter Mensch trifft auf Musik, die eigentlich auch für mich zarter als zart ist. Dazu noch Hansi als ehemaliger Rocksänger - was wird dabei herauskommen?" Herausgekommen ist der Slow Club, der altbekannte Songs durch die behutsame Mischung aus atmosphärischer Elektronik, organischen Jazzelementen und kitschfreier Zeitlosigkeit melancholisch, aber nie gefühlsduselig neu deutet und so den Boden für Hansi Lang aufbereitet, den viele für den besten, weil ausdrucksstärksten Sänger des Landes halten. Einen gewissen Klassizismus habe man in Kauf genommen, so Schlögl, "revisionistische Sachen wie Acid Jazz" aber bewusst vermieden. Die Vitalität der nun vorliegenden CD "This Is the Slow Club" rührt daher, dass die teilweise von Gastsolisten stammende Musik zu guten Teilen bei der letztjährigen Slow-Club-Konzertreihe im Rabenhof mitgeschnitten wurde. Was Hansi Lang an der Kooperation mit Schlögl interessierte, der locker als sein Sohn durchgehen könnte? "Ich wollte etwas dabei haben, was ich nicht kann, zu dem ich keinen Zugang habe. Es war ein Patzen Risiko und eine super Herausforderung - und eigentlich fand ich dann alles, was von ihm gekommen ist, ungemein aufregend und aufbauend." Schlögl selbst schwärmt wiederum von der produktionstechnischen Herausforderung, die der Slow Club mit sich brachte: "Eines meiner großen Vorbilder in diesem Bereich ist Brian Eno, der in unterschiedlichsten Bereichen arbeiten kann, ohne sich selbst zu verleugnen, und stets seine Handschrift hinterlässt, gleichzeitig aber die beteiligten Musiker atmen lässt. Für mich wurde die Arbeit am Slow Club in dieser Hinsicht auch ein bisschen zu meinem Gesellenstück." Hansi Langs Gesellenstück liegt bereits ein knappes Vierteljahrhundert zurück. Seine auf zwei Mini-LPs aus dem Jahr 1982 verteilten Songs wie "Keine Angst", "Zucker" oder "Ich spiele Leben" zählen zu den interessantesten Hervorbringungen der Wiener New-Wave-Szene und den wenigen wirklichen Highlights im heimischen Pop der Achtzigerjahre; Lang selbst ist neben Falco die wohl stärkste Figur dieser Ära. Die angepeilte internationale Karriere wurde dann aber von Langs langjähriger schwerer Drogensucht verhindert; noch heute ist die Notstandshilfe das einzige fixe Einkommen des Sängers und Gelegenheitsschauspielers. Ungleich aufgeräumter und erfolgreicher verlief Rabitschs Karriere. Der Keyboarder, Produzent und Tonstudiobetreiber gab bei Drahdiwaberl den wilden Hund, gehörte zur Stammbesetzung in Falcos Band, produzierte Gebrauchsmusik für Theater, Film und Fernsehen und hatte bis hin zur musikalischen Leitung der ORF-Castingshow "Starmania" bei sehr vielen österreichischen Poperfolgen der letzten zwei Dekaden seine Finger mit im Spiel. Weniger bekannt ist, dass er daneben beispielsweise auch das legendäre erste österreichische HipHop-Album der aus Peter Kruder, DJ DSL, Sugar B und Rodney Hunter bestehenden Moreaus produzierte. Mit dem Tanzen auf unterschiedlichen Kirtagen hat der Ottakringer jedenfalls kein Problem: "Sachen wie Starmania' sind Business, das ich auch gar nicht ungern mache. Und wenn das Business so etwas wie den Slow Club ermöglicht, sage ich: Allemal! Gleich wieder! Das eine macht man für seine wirtschaftliche, das andere für seine künstlerische Existenz, und man muss halt schauen, dass sich diese beiden existenziellen Dinge irgendwie die Waage halten." Der Slow Club bildet somit das notwendige künstlerische Gegengewicht zu zwei Jahren "Starmania": "Ich habe mir gesagt: Das leiste ich mir jetzt, weil ich es gerne mache." Die Songs hat vor allem Hansi Lang ausgesucht: "Das sind Nummern, die mich im Laufe der Zeit einfach getroffen haben und mit denen ich mich wirklich identifizieren kann. Manchmal brauche ich nur ein Wort zu ändern, und es wird mein' Song. Aus ,Everytime we say goodbye I cry a little / everytime we say goodbye I wonder why a little' mache ich etwa ,Everytime we say goodbye I wonder - just a little', weil ich fünfzig bin und mittlerweile weiß, wieso meine Lieben und Beziehungen in die Brüche gegangen sind." Auch der Projektname selbst stammt vom Sänger, der gegenwärtig an neuen, englische Texte mit tiefstem Wiener Dialekt mischenden Eigenkompositionen arbeitet. "Ich habe eine Hitparade fiktiver Clubs im Kopf. Beispielsweise wünsche ich mir ein Lokal namens Ochtabohn', in dem es auch zugehen sollte wie in einer Achterbahn. Und einen Slow Club' würde ich auch gerne einmal sehen." Die Musik seines Slow Club siedelt Lang übrigens nicht in der klischeehaften spätnächtlichen Bar an; vielmehr versteht er die elf Songs auf "This Is the Slow Club" in Übereinstimmung mit Rabitsch und Schlögl als Soundtrack zum Schmusen und Liebemachen am Vor- oder Nachmittag: "Da kommt er auch her, der Slow Club."

in FALTER 15/2005



ANZEIGE


FALTER abonnieren
×