La Belle Captive

Mondscheiner


Aschenputtel bis Zweitfrau

So schaut's aus, wenn ein heimisches Majorlabel auf den Neo-NDW-Boom reagiert: drei knapp bekleidete Sängerinnen in die Auslage gestellt, um den Rest kümmern sich die Typen im Hintergrund. Unterirdisch!Die Simon & Garfunkel der lokalen Wintersportmusik haben genug von Skispringerliedern und singen jetzt charmante, mit Humor präsentierte Protestsongs.Abseits vom Indie-Gitarre-Einerlei klingen die jungen Burgenländer auf ihrem selbstironisch betitelten Debüt unangestrengt einfallsreich. Schöne Texte gibt's auch, etwa die Liebeserklärung "Du bist wie Popmusik".Ebenfalls am Neusiedler See beheimatet, haben sich Garish mit ihrem Weltschmerzpop in die Oberliga des österreichischen Alternative-Pop-Geschehens gespielt und werden damit auch überregional wahrgenommen.Zum Trio geschrumpft, feiern die Szeneoldies ihr zehnjähriges Bestehen mit Album Nummer sechs. Ohrwurmmelodien treffen einmal mehr auf Texte, die schon eher auf ein sehr junges Publikum abzielen.Die Atemlosigkeit schätzender und auf nicht anbiedernde Art eingängiger Indie-Rock aus Wien. Angenehm selbstbewusst, textlich ansprechend. Zurzeit eine der besten jungen Ö-Bands.Etwas ganz anderes: Zu menschenfreundlichen Laptopklängen singt David Lipp so bislang ungehörte deutschsprachige Liebeslieder. Bisweilen etwas ungelenk, in erster Linie aber mutig und interessant.Nach einem Plattentitel der Hamburger Band Fink benanntes Quintett, das auf musikalisch ausgereiften Pop mit Anspruch setzt, der von einem nachdenklich-schwermütigen Gestus geprägt ist.Freundliches und bei jungen Menschen ziemlich beliebtes Wiener Indie-Pop-Quartett. Der guten Laune verpflichtet, ohne sich dadurch gleich in Banalitäten zu verlieren.Von der Erinnerung an Grunge zehrendes Wiener Trio mit der H&M-Version von Rock 'n' Roll. Verzerrt-krachig und betont arrogant angelegt, rauschen die Songs ordentlich los, sind vorm Verpuffen auf halber Strecke aber nicht ganz gefeit.Die Verlängerung von "Starmania" mit anderen Mitteln: eindrucksvoll banale Grazer Band, die von wenigen flockig-netten Teeniepopausnahmen ("Mädchen") abgesehen nach Heinz für ganz Arme klingt.Mit viel Kalkül wird hier das kleinste gemeinsame Vielfache von Mia und Wir sind Helden inszeniert. Etwaige Zweifel an der Unnötigkeit dieser Übung erledigen sich spätestens durch die aufgesetzt hektische Grönemeyer-Coverversion "Männer".

Gerhard Stöger in FALTER 14/2005



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