Lieder

Dietrich Henschel, Helmut Deutsch, Erich Wolfgang Korngold


Interessant für Liedfans und an der Kulturgeschichte der eigenen Stadt Interessierte: Der vorwiegend kammermusikalisch und als Liedbegleiter tätige Wiener Pianist Helmut Deutsch hat vergessene, vor allem frühe Lieder von Erich Wolfgang Korngold (1897-1957) ausgegraben, teils sogar ediert und mit dem Bariton Dietrich Henschel zum Großteil erstmals auf CD eingespielt. Nach Mozart und Mendelssohn galt Korngold als das musikalische Wunderkind, das bereits mit 14 Jahren auf ein beachtliches Werk verweisen konnte; der gebürtige Brünner und 1934 aus Wien in die USA emigrierte Hollywood-Komponist erhielt zwei Oscars (für "Anthony Adverse" und "The Adventures of Robin Hood"). Dass Korngolds Werke trotz der einstigen Bekanntheit heute kaum noch im Konzertrepertoire zu finden sind, hängt sicherlich mit seinem Exil, wohl aber auch mit seiner amerikanischen Karriere als kommerzieller Komponist zusammen. Die Sammlung von Deutsch und Henschel jedenfalls zeigt Korngolds erstaunliche Eigenständigkeit und Aufgeschlossenheit gegenüber seiner Gegenwart, vor allem im ältesten Zyklus Opus 5, den der 14-Jährige seinem strengen Vater, dem Musikkritiker Julius Korngold, unter dem Titel "So Gott und Papa will" widmete. Keine Kindermusik, die in den beiden Interpreten verständige und einfühlsame Sympathisanten findet.

in FALTER 12/2005



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