Variations & More

Glüxam,Wolfgang,Cembalo, Johann Sebastian Bach


Ach, ach, ach – drei Variationen von Meister Bach

Johann Sebastian Bach (1685–1750) war nicht nur ein ausgesprochener Vielschreiber, sondern er hat, wie zur Zeit des Barock üblich, auch immer wieder Werke anderer Komponisten sowie eigene Werke bearbeitet und transkribiert. Daran erinnert Nemanja
Radulović mit seinem neuen Album „Bach“ (DG). Der serbische Geiger ließ dafür drei seiner Lieblingswerke neu arrangieren: die Toccata & Fuge, die Chaconne sowie die berühmte Air aus der Orchester-Suite in D-Dur. Für Traditionalisten sind die kühnen, fast schon rockigen Arrangements, in denen Radulović seine beeindruckende Virtuosität beweist, bestimmt eine Herausforderung. Ein echter Glücksgriff hingegen ist das wunderbare, viel zu selten gespielte Bratschenkonzert, bei dem der Geiger selbst an der Viola zu hören ist.
Wie man aus der Not eine Tugend macht, zeigt Fahmi Alqhai auf „The Bach Album“ (Glossa). Nachdem Bach der Kniegeige nur drei Sonaten widmete, hat der spanische Gambist ganz nach barockem Brauch einige Werke des Meisters selbst für die Viola da gamba transkribiert. Neben der vierten Cellosuite und der a-Moll-Partita für Flöte solo wollte es sich offenbar auch Alqhai nicht nehmen lassen, mit seiner Version von Bachs Chaconne zu brillieren – nach Nemanja Radulovićs Teufelsritt ist das Stück hier kaum wiederzuerkennen.
Wer als Tastenvirtuose etwas auf sich hält, kommt an den Goldberg-Variationen nicht vorbei. Allerdings hört man Bachs berühmten Kanon heute fast ausschließlich auf dem modernen Konzertflügel statt auf dem Cembalo. Anders bei Wolfgang Glüxam, der das Werk nun auf dem ihm zugedachten Instrument eingespielt hat. Der zweite Teil des ausgezeichneten Albums „Bach. Variations & More“ (Frau Bernardo) hält auch Material bereit, das Bach selbst für das Cembalo arrangiert hat, etwa die Violinsonate in d-Moll oder das Praeludium, Fuge & Allegro Es-Dur für Laute solo. Meisterhaft!

Miriam Damev in FALTER 3/17



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