Recital Montpellier

Friedrich Gulda


Ein-, zweimal im Jahr, gerne auch vor Weihnachten, bringt Universal Vergessenes, Unbekanntes oder Rares aus dem Nachlass von Friedrich Gulda (1930-2000) heraus. Wie so oft bei diesem ambivalenten Pianisten ist manches davon großartig, manches einfach nur verzichtbar. Diesmal: großartig! Der Livemitschnitt eines Konzerts unter dem freien Himmel von Montpellier 1993 zeigt einen bestens gelaunten Gulda, der sich mit Charme und Witz durch die laue Sommernacht und ein fein abgestimmtes Programm spielt (übrigens ausschließlich auf dem Konzertflügel). Ausgehend von Debussys somnambulen "Les sons et les parfums ..." landet Gulda nach fast zwei Stunden bei Wiener Wehmut Marke Strauß & Fiaker, widmet sich dazwischen mit Hingabe Schumann ("In der Nacht"), Schubert (Impromptu, D 899) und Chopin (zwei Nocturnes), singt Mozart so traumhaft schön, wie man das selten hört (Fantasie K 475, Sonate K457), und macht sogar jenes Flugzeug vergessen, das über Beethovens Sonate op. 110 hinwegdonnert.

in FALTER 49/2004



ANZEIGE


FALTER abonnieren
×