Shed Grace

Sticks & Stones


Kaum sind die paar identifizierbaren Noten aus Thelonious Monks "Skippy" verhuscht, setzt ein sanft-suggestiver Rhythmus ein, über das die Saxofonistin Matana Roberts ihre Linien legt und einen Hauch von nahem Osten spürbar werden lässt: "Veatrice" braucht die Nachbarschaft zum großen Erbe (Billy Strayhorns "Isfahan" in einer schlanken, tagtraumhellen Version) nicht zu scheuen. Das seit einigen Jahren bestehende Trio, dem neben Roberts noch Josh Abrams (b) und Chad Taylor (dr) angehören, bewegt sich auf seinem zweiten Album souverän zwischen der Tradition des spirituellen Free Jazz (Albert Ayler!) und einer Raffinesse der Gesten und Klänge, die einer poetischen Introvertiertheit den Vorzug gegenüber einem Volles-Rohr-Powerplay geben. Zwischen haarscharfer Präzision und kalkulierter Unschärfe erblühen die schönsten Melodien und leichtfüßigsten Rhythmen. Mit Sicherheit eines der sympathischsten Alben der letzten Zeit.

in FALTER 39/2004



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