Is All Over the Map

Giant Sand


Mit Klugscheißer-Heavy-Metal und staubigem Wüstenrock beackern sie zwar völlig konträre Felder, dennoch gehören die Melvins und Giant Sand seit rund zwei Dekaden gleichsam zu den eigenwilligsten und produktivsten Vertretern des US-Rockundergrounds. Beide Bands haben eine extrem ausufernde Diskografie, und bei beiden stehen Meisterwerke neben äußerst vernachlässigenswerten Aufnahmen. Die Melvins-Kooperation mit dem Industrial-/Krachelektronikpionier Lustmord liegt ziemlich genau dazwischen. Treten King Buzzo & Co das Gaspedal ihres Bulldozers bis zum Anschlag durch, kann man ihnen nach wie vor kaum widerstehen. Verknüpfen sie aber - wie im 20-minütigen Titelstück - minutenlanges Donnergrollen mit Nervelektronik und diversen Songskizzen, ist das wohl nur mehr für aufrechteste Fans interessant. Bei Howe Gelbs Giant Sand stehen die Zeichen dagegen eindeutig auf Meisterwerk. Mit entspannter Lässigkeit pendelt der alte Wirrkopf hier zwischen Akustik und Elektronik, Americana und Rock, kammermusikalisch inszenierter Schönheit und ausgelassen alkoholisiertem Countrypunk. Interessanterweise wirkt die Platte trotz ihrer mit hörbarer Spielfreude dargebotenen Vielfalt dabei keinen Moment zerfahren; vielmehr scheint letztlich alles irgendwie selbstverständlich zusammenzugehören.

in FALTER 36/2004



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