Goldberg-Variationen

Martin Stadtfeld


In seinem beachtlichen Debüt inszeniert sich der 24-Jährige als ungestümer Jungpianist: in der Werkwahl, die an Glenn Goulds legendären Durchbruch (1955) erinnert, wie in seinem Bemühen, Bachs Klassiker mit allen Mitteln gegen den Strich zu bürsten. Dazu setzt Stadtfeld oft auf halsbrecherische Tempi, hat auch die motorischen Fähigkeiten dafür, bleibt aber im Ergebnis mitunter etwas plump (Variation 1) oder eitel (Var. 5). Dennoch gelingen ihm immer wieder erstaunlich grazile Momente (Var. 7), und die zahlreich eingesetzten Oktavierungen sorgen für einige glockenhelle Überraschungen - vor allem, wenn er kurzerhand die Bass- zur Sopranstimme macht (Var. 9, 18). Unterm Strich geht die forcierte Forschheit zwar zu sehr auf Kosten der Stimmgestaltung, und manches bleibt einfach nur blass (Var. 25), aber immerhin: Er hat das Zeug dazu, das Stück - wie dereinst Gould - in zwanzig Jahren noch einmal einzuspielen.

in FALTER 19/2004



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