Mali

Various


Grob geführt

Die britischen Rough-Guides-Reiseführer wenden sich an alle, die es in entlegenere Weltengegenden zieht, ohne dabei auf einen irgendwie urbanen Lifestyle verzichten zu wollen. Dieses Konzept hat der Verlag längst auch auf musikalische Reisen übertragen. Gemeinsam mit dem britischen World Music Network hat Music Rough Guides (Vertrieb: Lotus) bereits 180 CD-Anthologien herausgebracht. Nun ist wieder ein ganzer Schwung neuer Alben erschienen, zu geografisch oder thematisch klar definierten Musikstilen auf allen fünf Kontinenten. Per Download gibt es jeweils so umfangreiche wie kompetente Begleittexte dazu, allerdings nur auf Englisch.
Dem subsaharischen Afrika widmen sich gleich drei Platten. Ethnologische Feldaufnahmen darf man sich da zwar nicht erwarten. Der kuratorischen Sorgfalt tut die Konzentration auf eingängigere, vorwiegend tanzbare Genres freilich keinen Abbruch.
"Congo Gold" etwa führt in die spannende und keineswegs unpolitische Erfolgsgeschichte der kongolesischen Rumba ein. Basierend auf der kubanischen Rumba – ihrerseits eine Fusion karibischer und afrikanischer Elemente –, ersetzte sie das Klavier durch die Gitarre und traditionelle Instrumente wie das Daumenklavier und wurde, gleichsam als transatlantischer Reimport, nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem Soundtrack des nach Unabhängigkeit strebenden Kontinents. Der Journalist Martin Sinnock hat zwölf Beispiele dafür zusammengetragen, vom Klassiker "Marie Louise" (1948) des unlängst verstorbenen Papa Wendo bis hin zu Nachfolgern und Epigonen wie Tabu Ley, Sam Mangwana, Papa Noel oder Madilu System.Weit weniger historisch, aber ähnlich aufschlussreich ist der schlicht "Mali" betitelte Band der Reihe. Er bietet einen guten Überblick über die aktuellen, auch in Europa erfolgreichen Erben der so reichen musikalischen Tradition des westafrikanischen Wüstenstaates, von Ali Farka Touré und Salif Keita bis zu Rokia Traoré und Bassekou Koyate."African Street Party" schließlich verzichtet auf einen engeren thematischen Zugang und feiert ausschließlich die "spontane afrikanische Stimmung" – mit elf straßenfesttauglichen Nummern lokaler Stars aus Mali, Mosambik, Kamerun, Kap Verde, Angola,
Uganda, Kongo und Nigeria.

Carsten Fastner in FALTER 35/2008



ANZEIGE


FALTER abonnieren
×