Hymns For A Dark Horse

Bowerbirds


Friendly Frenzy

Den Schritt zu einem größeren Label haben The Dodos mit ihrer zweiten Platte "Visiter" (V2/Universal) gewagt. Das Duo aus der Stadt, die man nur mit Blumen im Haar betreten soll und durch die Udo Jürgens nie in zerrissenen Jeans ging, denkt trotzdem nicht daran, seine kuschelige Psychedelik-Folk-Ecke zu verlassen. Entspanntes Fingerpicking trifft auf perkussive Rumpelrhythmen und zarte Gesangsmelodien. Sehr frei und schön.Der wirklich gelungene Indierock, ob noisig geschrammelt oder folkig gezupft, ist in den meisten Fällen Importware aus den USA. Angesichts der Anzahl an bemerkenswerten Platten, die dort Monat für Monat erscheinen, verliert man schnell den Überblick. Deshalb sei eine kurze Zusammenschau versucht. Wer sich in der nächsten Zeit nur eine einschlägige Platte anschaffen will, der sollte zum Debütalbum der kalifornischen Minikommune Bodies Of Water um das Geschwis­terpaar David und Meredith Metcalf greifen. Auf "A Certain Feeling" (Secretly Canadian/Trost) gibt diese weit ausholende Songs mit viel Harmoniegesang zum Besten. Das erinnert mal an den himmlischen Lärm von Arcade Fire, mal an die neue Innerlichkeit der Fleet Foxes, ist aber nicht so leicht zu fassen, denn auch an Meister Morricone angelehnte Arrangements, peppige Bläsersätze und lyrische Gitarren sind zu hören. Bis findige Nischenpromoter eine Schublade für diese Promenadenmischung gefunden haben, bitte unter "Freundliche Raserei" einordnen.Okkervil River aus Austin sind keine Neulinge, aber so etwas wie ein ewiger Geheimtipp. Das wird sich auch mit dem fünften Album "The Stand Ins" (Jagjaguwar/Trost) kaum ändern. Ihr Folkrock ist für das breite Publikum wohl zu geschmackvoll, die klugen Texte von Sänger Will Sheff erreichen in Stücken wie "Calling and Not Calling My Ex" fast schon Kurzgeschichtenformat. Also: Eh alles ganz richtig so, wie es ist.Ähnliches gilt für Bowerbirds aus North Carolina und ihren Erstling "Hymns for A Dark Horse" (Dead Oceans/Trost). Das 2-Mann-plus-Dame-Trio macht Musik für alle, denen Joanna Newsom zu extravagant ist: nur leicht schrägen, verträumten Folk mit Akustikgitarre, Tamburin, Akkordeon und Geige. Für die blaue Stunde.

Sebastian Fasthuber in FALTER 34/2008



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