Fahrstuhlmusik

null.acht.15


Austrorock 2008

In der schwierigen Disziplin der schlauen Härte auf Stromgitarrenbasis hat der österreichische Rock-Underground mit den aktuellen Alben von Bulbul ("Bulbul 6") und Valina ("A Tempo! A Tempo!") heuer bereits zwei international konkurrenzfähige Modelle hervorgebracht (der Falter berichtete). Jetzt gesellt sich ein drittes dazu: The Striggles kredenzen auf "Expressionism" (Noise Appeal), ihrem Debüt, eine anregende Mischung aus dynamischem Haudrauf, gediegenem Rock Noir und – vor allem – Noiserock, der trotz zweier Gitarristen in der Band stark auf die Rhythmusabteilung konzentriert ist und entsprechend wuchtig und beweglich daherkommt. Im selben Moment diszipliniert und entfesselt, scheint den vier Grazern dabei ganz gerne auch der Schalk im Nacken zu sitzen, was gerade in der gestrengen Harte-Buben-Abteilung kein Fehler ist.Weniger gut funktioniert das etwas gar forciert originell benannte Nachwuchsquartett null.acht.15. Teils politisch motivierte und leider immer von einem absoluten Nichtsänger vorgetragene deutschsprachige Texte verbindet sein Debüt "Fahrstuhlmusik" (Konkord/Hoanzl) mit mäßig originellem Crossoverrock. Womit bewiesen wäre, dass auch das tolle Konkord-Label nicht unfehlbar ist.Einen weiteren unnötigen Beweis liefert "Leaving the Scene" (Al Dente), der von ebenso sauber gespiel­tem wie ideenarmem Biederrock mit Formatradioandienung geprägte Erstling der Wiener "Funky Nu Rocker" Rooga – nämlich den, dass österreichische Bandwettbewerbgewinner in echt meist nichts taugen.

Gerhard Stöger in FALTER 31/2008



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