Liberation

Trans Am


Vor einer knappen Dekade wurde Tortoises rein instrumentale Mischung aus repetitiven Klangmustern, experimentellen Sounds und jazziger Fingerfertigkeit als "Zukunftsmusik" gefeiert und zur Blaupause für den so genannten Postrock der ausgehenden Neunziger erklärt. "Zukunft" ist aber eine flüchtige Größe, wie das fünfte Album des Quintetts aus Chicago zeigt: John McEntire & Co beherrschen es zwar nach wie vor meisterlich, hübsche Melodien und Rhythmen in vielschichtige Arrangements zu verpacken; ihr Hang zum schwelgerischen Schönklang verlangt dem Hörer - trotz vereinzelter Höhepunkte - inzwischen aber einen ziemlich langen Atem ab. Trans Am sind da schon deutlich aufregender. Das in Washington, D.C., beheimatete Trio wurde zwar auch stets unter "Postrock" gefasst; mit ihrer Suche nach dem Missing Link zwischen Kraftwerk und AC/DC passten sie aber nie wirklich in diese von Zurückhaltung und Kopflastigkeit geprägte Szene. Auf "Liberation" arbeiten sich Trans Am jetzt an der gesellschaftlichen US-Befindlichkeit nach 09/11 und der verstärkten Einschränkung von Persönlichkeitsrechten ab. Von entsprechend beklemmenden Untertönen geprägt, verknüpfen sie dabei Powerrock geschickt mit Synthiepop und charmant verstolperter Elektronik.

in FALTER 16/2004



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