The Demolition Series

jasmina Maschina


Gold in Nischen

Music out of place", antwortet Markus Detmer, wenn man ihn nach der einenden Stilklammer für die Platten seines Labels Staubgold (Ö-Vertrieb: Hoanzl) fragt. 1996 als Versand für experimentelle und elektronische Musik gegründet und 1998 zur Veröffentlichungsplattform erweitert, agiert Staubgold tatsächlich konsequent zwischen den Genrestühlen. Folk lässt das Berliner Label auf Electronica treffen, Postrock auf Neue Musik und digitale Experimente auf Pop. "Ich habe mich immer für Musik interessiert, die Grenzen überschreitet", erklärte Det­mer, als er vergangenen Herbst gemeinsam mit dem geistesverwandten Wiener Label Mosz zwei Abende im Rahmen des Festivals Wien Modern ausrichtete. "Mein Konzept hinter Staubgold ist es, künstlerisch wertvolle, authentische Musik abseits des Mainstreams zu veröffentlichen, wobei ich nie nur eine, sondern vielmehr alle Nischen besetzen wollte."
Mit seinem eigenen Duo Klangwart betätigt sich der Labelmacher auch selbst als Nischenbesetzer. Das aus sieben ineinander verwobenen Tracks bestehende aktuelle Album ­"Stadtlandfluss" klingt in seiner vielschichtigen Dynamik wie ein abstraktes Hör­spiel; was sehr feingliedrig und verhalten beginnt, steigert sich innerhalb einer guten halben Stunde zu gerade noch kontrolliertem Lärm, um schließlich wieder in einer filigranen Balladenminiatur auszuklingen.Näher am Song, dabei nicht minder experimentierfreudig agiert das Quartett Heaven And, dem auch der Wiener Gitarrist Martin Siewert angehört. Veredelt durch zwei Gesangsbeiträge von Alexander Hacke (Einstürzende Neubauten) errichtet das spannungsgeladene Album "Sweeter As the Years Roll By" einen facettenreichen Kosmos aus Kraut, Jazz, Psychedelik und Rockdekonstruktion, sanfter Schwelgerei und kräftigem Zupacken.Das Staubgold'sche Popangebot der Saison stammt von Jasmina Maschina, einer Hälfte des Electronica-Duos Minit. Ihr ­Solodebüt "The Demolition Series" präsentiert die wandlungsfähige Musikern und Klangkünstlerin als verträumte Neo-Folk-Chanteuse; leicht sphärischer Gesang trifft in ihren zwei bis acht Minuten langen Liedern auf behutsam elektronisch unterstützte Gitarrenklänge unterschiedlicher Detail­ausfertigung. Sehr schön!

Gerhard Stöger in FALTER 30/2008



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