Anything Goes

Brad Mehldau Trio


Wie oft will man eigentlich die Greatest Hits des Great American Songbook noch herunterbeten. Einmal geht's noch, und außerdem: "Anything Goes". Aber das Trio des pianistischen Tausendsassas Brad Mehldau folgt eben keiner postmodernen Scheiß-drauf-Ästhetik, sondern hat sich die zehn Stücke so vorgenommen, dass man sagen muss: Ja, es funktioniert tatsächlich. Ob man da Monks "Skippy" mit fast schon mechanistischer Präzision exekutiert (die zerklüftete Rhythmik dann aber auch im Improvisationsteil beibehält), ob man bei "Nearness of You" mit der Melodie gleich ins Haus fällt, die man auf "Anything Goes" bis an die Grenzen der Erkennbarkeit perforiert, oder ob man auf Paul Simons "Still Crazy after All These Years" die hohe Kunst des Aufstauens demonstriert - hier wird ausgesprochen präzise und klug geträumt. Zudem kommt diese Romantik mit Köpfchen wesentlich weniger prätentiös daher als viele der Vorgängeralben.

in FALTER 15/2004



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