Hurra

Georg Bauernfeind


Gutmensch und Raubtier

Die erste CD von Georg Bauernfeind ist das Comeback eines Künstlers, den nur Insider vermisst haben. Der 1970 geborene Mödlinger beendete seine Karriere bevor sie noch richtig begonnen hatte. Dabei waren die Anfänge durchaus vielversprechend. Mitte der 90er-Jahre gewann er diverse Nachwuchspreise, die Reaktionen auf seine ersten Lieder-Kabarett-Abende waren wohlwollend; trotzdem verschwand Bauernfeind nach dem zweiten Programm "Luftschnappen" (1999) von der Bildfläche.
"Ich war damit nicht wirklich glücklich", sagt er heute. "Und die Vorstellung, alle zwei Jahre ein neues Programm herausbringen zu müssen, hat mich überfordert." Bauernfeind beschloss, sich ganz seiner eigentlichen Berufung zu widmen: der entwicklungspolitischen Basisarbeit in NGOs. "Eine idealistische Grundhaltung hatte ich immer schon." Derzeit arbeitet er für den Verein Jugend Eine Welt, wo er für PR und das Aufstellen von Spendengeldern zuständig ist – unter anderem für das Projekt Fairkick, das Fußballschulen für Straßenkinder in Ecuador, Ghana oder Albanien anbietet.
Nach einiger Zeit stellte Bauernfeind fest, dass ihm doch etwas fehlt, und schrieb quasi für den internen Gebrauch zwei Programme, die er auf Kongressen, Lehrertagungen und ähnlichen Veranstaltungen spielt – mit großem Erfolg. "Man sollte nicht glauben, wie befreiend das für die Leute ist. Zuerst hören sie, wie schlecht die Welt ist, sind schon ganz erschlagen – und dann komme ich mit meinem Kabarett. Optimal!" Ein paar Lieder aus den Öko-Programmen, etwa der "Weltladenjunkie", sind auch auf der CD "Hurra!" zu hören; mit einem anderen, "Flugblatt-Gedicht", schaffte es Bauernfeind 2005 ins Finale des Protestsongcontest im Rabenhof. "Da habe ich gemerkt: Es taugt mir wieder."
Auf seiner Myspace-Seite nennt Bauernfeind in der Rubrik "Influences" Vivaldi ("den hör ich gern"), Funny van Dannen ("der war prägend für mich"), Josef Hader ("durch ihn bin ich zum Kabarett gekommen") und Georg Danzer ("die letzten zwei Alben haben mich irrsinnig angesprochen"). Wie viele deutschsprachige Liedermacher sitzt Georg Bauernfeind zwischen den Stühlen. Ist er eher Musiker oder doch Kabarettist? Die CD jedenfalls ist keine Kabarettplatte, obwohl die Songs schon auch witzig sind. "Protestlieder ohne Humor – das geht einfach nicht."

Beinharte Jute-statt-Plastik-Lieder hat Bauernfeind zum Glück nicht im Programm. Stattdessen: gute Melodien und Texte mit immer wieder überraschenden Bildern ("Die Liebe ist schön wie ein Butterbrot"). Sein Gesang klingt auf charmante Weise schüchtern, fast so, als wäre ihm das Singen ein bisschen peinlich. Für die interessanten Gitarrensounds ist sein Bruder Alfons verantwortlich, mit dem er zusammenarbeitet, seit er einmal beim Südwind-Straßenfest auftreten sollte. "Da hab ich mir gedacht: Was mache ich allein bei einem Open Air?"
Georg Bauernfeind ist ein Gutmensch, er kann nicht anders. "Und wahrscheinlich ist meine Musik auch ein bissl Gutmenschenmusik." Aber wer sagt, dass gute Menschen schlechte Musik machen müssen? "Ich hab das Gefühl, dass ich noch ein bissl schärfer werden muss", meint Bauernfeind selbstkritisch. "Der Regisseur Thomas Seiwald, mit dem ich für die Auftritte zusammenarbeite, hat unlängst gesagt: ,Georg, es muss jetzt endlich den ersten Toten in einem Lied von dir geben!'" Bauernfeind hat versprochen, daran zu arbeiten. Schon auf dem letzten Lied seiner ersten CD träumt der Künstler davon, "wie ein Raubtier" durch die Nächte zu ziehen und "nicht mehr brav" zu sein. Aber fürchten muss man sich deswegen nicht vor ihm: "Manchmal ist am Morgen alles noch sehr fern. Manchmal hilft das Duschen, ich dusche mich sehr gern."

Wolfgang Kralicek in FALTER 20/2008



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