Thalija II

Thalija


Komischer Vögel

Zehn Jahre ist es her, dass der Sänger, Gitarrist und Krawallmacher Manfred "Raumschiff" Engelmayr sein erstes, breiter wahrgenommenes Album als Bulbul veröffentlicht hat. Das Cover des titellosen Werkes ist seitdem ordentlich verrostet, der sympathische Eigenbrötler aus Wels hat es aus Metallplatten zusammengeschraubt. Die darin enthaltene CD mag ein paar Kratzer davongetragen haben, die Musik hat jedoch keinen Staub angesetzt. Inzwischen in Wien ansässig und mit der hunt (Bass), ddKern (Schlagzeug) sowie dem unsichtbaren Soundtechniker Ollmann zum Quartett gewachsen, konnte sich die Band überhaupt eine erstaunliche Frische bewahren. Auf ihrem sechsten, folgerichtig "Bulbul 6" (Exile On Mainstream/Soulfood) getauften Album geigt sie Lärmrock voll kontrollierter Raserei, der mal funky oder gar ein wenig poppig klingt, dann wieder Abzweigungen ins Experimentelle nimmt. Patrick Pulsingers Produktion fängt die Dynamik der Gruppe gut ein, Philipp Quehenberger irrlichtert über eine Orgel, und die große Carla Bozulich singt ein Lied. Schön.
Feinde des Sparstiftes sind Thalija. Die 18 Musiker des Rockkollektivs, schon als Sigur Rós aus Österreich bezeichnet, haben an ihrem neuen Album "Thalija II" (Pumpkin/Trost) lang herumgewerkelt. Entstanden sind bis zu 22 Minuten weit ausholende, dabei aber sehr gut hörbare Stücke zwischen zarter Psychedelik und Progrock. Stimmungsvolle Musik von teils betörender Schönheit, aber nicht ganz ohne Gedaddel: Durch ein wenig Bündelung und vielleicht auch etwas mehr Gesang hätte das Material noch gewonnen.
Aus dem Südtiroler Kastelruth, Heimat der berüchtigten Spatzen, flüchteten Jörg Zemmer und Peter Pichler nach Wien. Als Bob haben sie eine Mischung aus Synthie-Pop, Gitarren-Noise und Eurodance-Trash kultiviert. In Maßen genossen, macht ihr Album "Tom"
(Hoanzl) Spaß, was nicht zuletzt an den Texten (zwischen Dada und gaga) liegt. In dem Stück "Such a Much Better Place" fragt man sich, wohin Michael Jackson nun verschwunden ist, und eine leichthändige Übersetzung von Tocotronic geht sich auch aus: "The Idea Is Good But the World's Not Ready Yet".

Sebastian Fasthuber in FALTER 18/2008



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