The Robins Tiny Throat

Baby Dee


Zum Weinen schön

Seinen ersten großen Auftritt hatte der in Brooklyn lebende australische Singer/Songwriter Scott Matthew im Soundtrack des gemeinhin als Arthouse-Porno gefassten Films "Shortbus", einer trotz seiner expliziten Bilder wunderbar poetischen Tragikomödie über die Liebe und das brüchige Glück. Das schlicht "Scott Matthew" (Glitterhouse/ Hoanzl) betitelte Albumdebüt erfüllt jetzt alles, was der junge Mann versprochen hatte: Sein Gesang ist ein kontrolliertes Flehen, aus dem gelegentlich der junge David Bowie herauslugt, die stimmig filigrane Musik ein wahrgewordener Traum rein akustisch angelegten und mit Zauberstaub veredelten Folkpops, und die Texte sind von einer emotionalen Schwere, die gänzlich ohne hohles Pathos auskommt. Ein echter Herzensbrecher!
Harten Stoff in sanftmütigem Outfit bietet auch "The Robin's Tiny Throat" (Durtro Jnana/Trost), ein Doppel-CD-Reissue mit älterem Material der amerikanischen Transgender-Performancekünstlerin, Singer/Songwriterin und Antony-Kumpanin Baby Dee. Wie auch beim Anfang des Jahres mit viel Begleitapplaus erschienenen aktuellen Werk "Safe Inside the Day" fordert der exaltierte Gesang zwar unerschrockene Hörerohren, die 21 im Alleingang zur Piano- und Akkordeonbegleitung eingespielten und immer wieder einmal durch Vogelgezwitscher unterstützten Lieder belohnen diese aber durch eine nur schwer fassbare brüchige Schönheit zwischen Popballade, freakigem Folk und Kunstlied.
Auch auf "Phylactery Factory" (Dead Oceans/Trost) von White Hinterland spielen Tiere eine Rolle; das Cover ziert ein Gemälde, auf dem ein Zebra von Hyänen zerfleischt wird. Mit Blutrünstigkeit hat die Musik der mit Jazz, Folk und Siebzigerjahre-Sangesgrößen wie Joni Mitchell oder Laura Nyro hörbar vertrauten Band um die 22-jährige Sängerin und Multiinstrumentalistin Casey Dienel aber nichts gemein. In bis zu siebenminütigen Songepen entfalten sich hier mal eigenwillige, dann wieder zauberhafte kleine Geschichten, die im Kern von Pianoklängen, einem sanft, aber bestimmt gespielten Beserlschlagzeug und Dienels markanter Stimme geprägt sind.

Gerhard Stöger in FALTER 14/2008



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