You Break It - You Own It

Manndorff Trio


Guitars from Austria

Ein Jahr nach Veröffentlichung von "Friendly Travellers" bringt Gitarrist Wolfgang Muthspiel nun "Friendly Travellers Live" (Material) heraus, auf dem er mit seinem Duopartner Brian Blade die gleichen Stücke noch einmal interpretiert. Das ist ein bisschen inflationär, allerdings klärt die im Doppelpack inkludierte DVD nun etwa die Frage, ob Muthspiel tatsächlich vier Hände hat. Antwort: nein; er ruft die Loops, die zu einem dichten und dennoch luftigen Netz verwoben werden, mit verschiedenen Fußtasten ab. Auch optisch ein Leckerbissen: die lässige Eleganz, mit der der hagere Blade seine Sticks über Becken und Trommeln führt. Der Hang zum Jazzmessenpathos, der bei Stücken wie "Gnadenwald" schon ins Esoterische lappt, ist auch auf "Earth Mountain" präsent, allerdings in einer entsprechend erdigeren Variante. Daran hat Pianist Jean-Paul Brodbeck wesentlichen Anteil, der das Muthspiel Trio mit den Pichler-Brüdern zum "Wolfgang Muthspiel 4tet" (Material) erweitert, seine "Elegy" volltönend zum Jubilieren bringt und jarretteske Inbrunst einbringt. Reuelos und resolut der Gesanglichkeit verpflichtet bleibt das Album doch davor bewahrt, je ins Gefühlige abzustürzen.
Genau vor diesem emotionalen Überschwang scheint sich das Peter Rom Trio fast panisch zu fürchten. Obwohl oder gerade weil der Hang zur Romantik nicht zu überhören ist, scheint "Starstruck" (Jazzwerkstatt/ Lotus) an einer Art musikalischem Tourette-Syndrom zu laborieren. Ständig fällt man sich mit manieristischen Mätzchen selber ins Wort, so dass der schlaue Dekonstruktivismus, der vielleicht intendiert war, eher zum überladenen Pastiche verkommt.
So ziemlich exakt das Gegenteil tut das Mandorff Trio – und es tut gut daran: Auf "You Break It – You Own It" (Universal) hat sich Andy Mandorff die ihm nicht völlig fremde Neigung zum epischen Noodling untersagt; übermäßige Eloquenz wird schon von seinen kongenialen Partnern im Zaum gehalten: Achim Tang (b) und Reinhardt Winkler (dr) verleihen auch binnenbewegter Zappeligkeit übergreifenden Flow und sorgen dafür, dass dieses extrem kontrollierte Album dennoch abhebt. "Clear Music" heißt eine Nummer. So ist es!

Klaus Nüchtern in FALTER 13/2008



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