Seventh Tree

Goldfrapp


Markante Stimmen

Joss Stone, Amy Winehouse, Kate Nash – jedes Jahr geht ein neuer Stern am britischen Sängerinnen-himmel auf. Das 2008er-Modell heißt Adele – der Nachname Adkins wurde kurzerhand eingespart –, ihr Alter hat die Sängerin, Songwriterin und Multiinstrumentalistin gleich im Titel ihres Debüts "19" (XL/Edel) verewigt. Mit ausdrucksstarker Stimme widmet sie sich allerlei Herzensdingen, streift dabei Soul und Jazz und liefert zwischen fadgasfreiem Erwachsenenpop und Soundtrackanwärtern für Teenie-Fernsehserien eine selbstsichere und überzeugende Performance. Von ungefähr kommt die Aufregung um die junge Dame (Nummer eins in den britischen Charts) also nicht.
Goldfrapp haben ebenfalls ein gutes, wenn auch etwas gewöhnungsbedürftiges neues Album aufgenommen. Will Gregory, der im Hintergrund agierende Maschinenparkbeauftragte des Duos, hat die extragroße Discokugel für "Seventh Tree" (Mute/Emi) im Sperrmüll entsorgt und sich einen Streifzug durch Wiesen und Wälder verordnet; Alison Goldfrapp haucht die schwelgerisch-zarten Songs mehr, als dass sie sie singt. Rhythmische Beats und flottere Momente bietet dieses Manifest des doppelbödigen Schönklangs nur vereinzelt, es dominieren Streicher aus der Dose, gezupfte Gitarren und schwerelose Pianoklänge.
Auf den Spuren der großen Dusty Springfield wandelt Shelby Lynne mit der Songsammlung "Just a Little Lovin'" (Lost Highway/Universal). Der Gesang ist erstklassig, die reduzierte musikalische Ausgestaltung von edler Intimität, die Gesamtproduktion perfekt in Szene gesetzt. Im Vergleich zu Springfields Originalinterpretationen von Titeln wie "Anyone Who Had a Heart" ist Lynne aber doch näher beim gepflegten Jazzgesang als beim vitalen Soul.
Führt der Weg zu Shelby Lynne über edle Treibhausgewächse, so sind es bei Rykarda Parasol aus San Francisco, die bisweilen an Patti Smith erinnert, Rosen, die extragroße Stacheln tragen. "Keine Schönheit ohne Schmerz" lautet das Motto von "Our Hearts First Meet" (Glitterhouse/Hoanzl), einer ebenso großartigen wie facettenreichen Platte zwischen spätnächtlichem Klagelied, Düster-Folk und modernem Blues im Gewand der Indie-Singer/Songwriterin.
￿

Gerhard Stöger in FALTER 11/2008



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