Human Bell

Human Bell


Thrill Jockey

Neu auf Thrill Jockey sind School Of Language und Human Bell. Hinter Ersterem steckt David Brewis vom Trio Field Music, sein Album "Sea from Shore" bietet Pop mit Anspruch, vergisst übers viele Reflektieren von Sounds und Songstrukturen aber nicht auf Harmonien, Dynamik und eingängige Momente. Das von befreundeten Musikern unterstützte Gitarrenduo Human Bell spielt auf "Human Bell" freisinnige Instrumentalmusik an der Schnittstelle von Folk und (Kraut-)Rock. Es setzt auf Minimalismus und Transparenz, anstatt mit Virtuosität zu protzen, und liegt damit goldrichtig.Zwischen den Stühlen lebt es sich manchmal gar nicht so schlecht, wie das amerikanische Plattenlabel Thrill Jockey (Vertrieb: Trost) zeigt. Die zentralen stilistischen Säulen des renommierten Indies aus Chicago sind Postrock, Avantgardepop und Jazz, ein Ausflug in Richtung Weltmusik ist aber ebenso möglich wie Elektroniktüftelei oder ausgelassener Glampop. Das liest sich vielleicht ein bisschen anstrengend und beliebig, heißt praktisch aber nur, dass man von Thrill-Jockey-Platten bei durchwegs hoher Qualität vorab nie wirklich weiß, wie sie klingen werden. Die Katalognummer 001 des Labels trägt übrigens "Perseverance" von H.P. Zinker, durch Radian gibt es eine weitere Österreich-Connection – seit Jahren erscheinen die Platten des Wiener Trios sowie diverse assoziierte Projekte weltweit über Thrill Jockey, zuletzt etwa Stefan Némeths Soloarbeit "Film" (der Falter berichtete).
Kurz vor Jahreswechsel feierte das 1992 gegründete Label sein 15-jähriges Bestehen und seine zweihundertste Veröffentlichung mit einer ganz speziellen Form der Werkschau. Zwanzig Acts wie Tortoise, Califone, Bobby Conn, Adult., Howe Gelb oder Eleventh Dream Day covern sich auf "Plum" gegenseitig, das Ergebnis liegt aber nicht etwa als MP-Download oder CD, sondern in Form einer kunstvoll gestalteten Vinyl-Singles-Box vor. Weltweit auf 2000 Stück limitiert und mit knapp über vierzig Euro trotzdem günstig gehalten, führt "Plum" spielerisch in die Welt
des Labels ein und bricht nebenbei noch eine Lanze für die vom Aussterben bedrohte Spezies "physischer Tonträger".

Gerhard Stöger in FALTER 9/2008



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