Rock is Hell 7

Diverse


Fest im Sattel

Mit seinem Grazer Label "Rock is Hell" versammelt Jochen Summer eigenwillige Exemplare der Pop-Avantgarde in einer limitierten Vinyl-Single-Box.

Jochen Summer strampelt sich ab. Nicht nur für sein Label, sondern auch für sein Leben. Er ist Radprofi. Gerade ist er von einer mehrwöchigen Tour aus Frankreich zurückgekommen. Sein Team nennt sich zwar gemütlich "Elk Haus", sorgt aber für Summers ökonomisches Überleben. "Ich kann mir auch noch was auf die Seite legen", erzählt er. Damit das die nächsten Jahre so bleibt, muss Summer fleißig trainieren. Zuletzt auf Mallorca. Die letzten fünf Wochen war er gerade mal eine Woche zuhause. Die geht dann für das Label und die Freundin drauf. Eigentlich umgekehrt. "Wäre fein, wenn ihr Freundin vor Label schreiben könntet", sagt er und lacht.

Vor fünf Jahren hat Summer im südsteirischen Diepersdorf das Label Rock is Hell gegründet. Somit ist der Dreißigjährige Radprofi und Labelbetreiber. Der Hang zu diesem ungewöhnlichen Berufs-Mix scheint ihm in die Wiege gelegt. Sein Vater war Radprofi und Bauer. Und bei drei Olympischen Spielen dabei. Auch 1972. Das Geiseldrama von München hat er aber nicht wirklich gespürt. Als Labelbetreiber spürt man auch Jochen Summer in Graz nicht wirklich. Weil ihm das erstens egal sein kann, denn seine limitierten Veröffentlichungen von musikalischen Grenzgängern zwischen Art-Core und Weirdo-Folk - meist auf Vinyl - erfreuen sich bei einer eingeschworenen Netz-Community auch so großer Beliebtheit. Zweitens hat er eben keine Zeit. Bei 110 Renntagen im Jahr kein Wunder. So wirklich taugen tut ihm das aber selber nicht. "Ich werde schauen, dass es dieses Jahr besser wird", meint er. Die für Herbst geplante Label Night kommt sicher nicht zu früh.

Das aktuelle Flaggschiff von Rock is Hell ist eine wunderbare 7" Single-Box. Mit dabei etwa der perkussive Wahnsinn von Foot Village aus L.A., die heimische Rock-Avantgarde ist durch BulBul und Reflector vertreten, der Jazzcore von Child Abuse aus New York ist in der Tat für Kinder ungeeignet. Das Konzept ist einfach: Fünf heimische und fünf amerikanische Bands füllen mit insgesamt acht Singles auf weißem Vinyl die per Siebdruck vom Künstlerduo Bongoût gestaltete Box. Auch die Auswahlkriterien sind spielerisch nachzuvollziehen: Die Bands sind langjährige Lieblinge von Summer. Es war nicht schwer, sie von dem idealistischen Vorhaben zu überzeugen. "Alle haben innerhalb kürzester Zeit zugesagt, exklusive Nummern beizusteuern", erinnert sich Summer.

Das Vertriebssystem ist schon etwas komplizierter, aber immer noch leicht verständlich. Ende letzten Jahres konnte man eine Vorbestellung alias Pre-Order deponieren. Diesen Jänner wurde die Box dann mit den ersten drei Veröffentlichungen bestückt, im März und April folgen die nächsten Tranchen. Vorbesteller dürfen sich auch über eine zusätzliche Single als Bonus freuen. Im April ist die auf 333 Stück limitierte Box dann komplett erhältlich. Allerdings ist jetzt schon mehr als die Hälfte vergeben, schnelle Reservierung wird empfohlen.

Rund drei Jahre möchte Summer noch in die Pedale treten, um dann möglicherweise selber ein Team zu gründen. Im Moment noch ein Wunschtraum, ist doch der Radsport derzeit nicht gerade hervorragend beleumundet. Summers nächstes Ziel ist schon um einiges realistischer. Am Bauernhof seiner Eltern möchte er für das Label eine Siebdruckmaschine in Betrieb nehmen. Falls das auch nicht klappt, kann er zumindest etwas beiseitelegen: "Der bescheidene Gewinn der Single-Edition kommt aufs Label-Sparbuch."

Die 7" Single-Box von Rock is Hell mit Fugu & The Cosmic Mumu, Death Sentence, Sasqrotch u.v.a. ist im April erhältlich und kostet 30,- €. Reservierungen unter www.rockishell.com.

Tiz Schaffer in FALTER 8/2008



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