25.11.

ctrl


Flöööööööööt

Außergewöhnliche Line-ups seien nichts Ungewöhnliches mehr, schreibt der Wiener Gitarrist Burkhard Stangl, und ebenso wenig seien es improvisierende Ensembles. Stimmt schon, auch und gerade in Wien, wo sich eine international beachtete Szene ungewöhnlich besetzter Improvisationsensembles etabliert hat – übrigens mit Stangl als einem ihrer zentralen Protagonisten.
Schön, dass diese Szene nach wie vor floriert und keine Nachwuchssorgen kennt; schade aber, dass ihre jeweiligen ungewöhnlichen Zusammensetzungen musikalisch kaum noch unterscheidbar sind. Jedenfalls zeitigt die vorherrschende Kombinationsschablone – klassische plus unkonventionelle plus elektronische Instrumente, gerne auch ein Turntable – vorwiegend verwechselbare Ergebnisse. Immerhin: Es gibt einen Trend! Weg von der zart gekratzten, elektronisch verfremdeten Gitarre, hin zur fein geblasenen, elektronisch verfremdeten Flöte.
Gleich auf vier Neuerscheinungen ist das zu hören. Etwa auf "25.11." (creativesourcesrec.com) des Quintetts ctrl mit Gloria Damijan (Klavier), Bernd Klug (Kontrabass), Meike Melinz (Flöte), Bernhard Schöberl (Gitarre) und Gabi Teufner (Flöte). Aus dem Begleittext zu diesem Album stammt der eingangs zitierte Satz. Und auch dieser: "ctrl erkundet das Außergewöhnliche im Gewöhnlichen, entdeckt das Spezielle im Allgemeinen und ermöglicht uns, das Unbekannte im (scheinbar) Bekannten zu erfahren."
Würde das nicht von ctrl behauptet werden, sondern beispielsweise vom Low Frequency Orchestra und seinem neuen Album "S" (Einklang Records), man könnte es genauso glauben. Oder von "Subitized" (Einklang) des Trios Pia Palme (Bassblockflöten, Elektronik), JSX (Turntables) und Kazuhisa Uchihashi (Gitarre, Daxophon). Oder von "Los Autodisparadores" (Einklang) von Angélica Castelló (Flöte), Thomas Grill (Elektronik) und Katharina Klement (Klavier, Clavichord).
Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Das sind allesamt gut gemachte Alben. Aber Außergewöhnliches, Spezielles, Unbekanntes im Bekannten gar erfahren wir auf keinem davon.
Vielleicht geht es in Wien doch ein bisschen zu familiär zu.

Carsten Fastner in FALTER 8/2008



ANZEIGE


FALTER abonnieren
×