Ikadem

Ikadem Orkestar


Mehr als Ethno

Eine junge Bulgarin und ein junger Ukrainer, beide mit einem Akkordeondiplom des Linzer Bruckner-Konservatoriums in der Tasche, tun sich zu einem Duo zusammen, nehmen eine Platte auf, mit der sie ihre "kulturellen Wurzeln reflektieren", und das Ergebnis klingt – eben nicht nach Balkanturbo mit voralpenländischen Gemütlichkeitseinsprengseln, sondern ganz und gar neu. Und aufregend.
Yova Drenska und Andrej Serkow heißen die beiden, ihr Duo nennen sie nach ihren Initialen DYAS und ihre erste Platte "Together" (zach-records.com). Vier Stücke darauf haben sie selber geschrieben, vier weitere steuerte der Komponist und Big-Band-Leader Christoph Cech bei. Mit stupender Virtuosität, gnadenlos ungeraden Takten und natürlich dem Klang des russischen Knopfakkordeons Bajan ist ihre Musik unüberhörbar von osteuropäischer Folklore geprägt; deren improvisatorische Elemente aber dienen DYAS als raffinierte Verbindung zu einem Jazz, der weit mehr ist als "Ethno". Solche Eigenständigkeit findet man selten auf einem Debüt.Ähnlich arbeiten auch Wladigeroff Brothers & Band auf "Wanderer in Love" (Extraplatte). Die lange schon in Wien lebenden bulgarischen Zwillinge Alexander (Trompete) und Konstantin (Klavier) sind zwar durch die wechselnden Besetzungen ihrer Band (u.a. mit Vibrafon, Bass, Saxofon, Schlagzeug) dem klassischen Jazzidiom näher, greifen aber auch auf Traditionelles wie die Hirtenflöte Kaval zurück. Und sie schaffen es dabei stets, im Fünf-, Sieben- oder Neunachteltakt nicht einfach nur bulgarisch und im Dreivierteltakt nicht wienerisch zu klingen.Da scheint es noch einiges zu entdecken zu geben in und aus Bulgarien. Hilfe dabei verspricht nun auch der Vertrieb Edel, der vor kurzem das Label Messechina aus Sofia ins Programm genommen hat, das sich ebenfalls auf die Verbindung von Jazz und Weltmusik konzentriert. Als ers-te Veröffentlichung in Österreich ist das Album "Ikadem" des Ikadem Orkestar erschienen, eine Kombination von Funk und Folklore, Synthesizerklängen und traditionellen Instrumenten: etwas überproduziert, aber mit sehr viel Druck.

Carsten Fastner in FALTER 6/2008



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