Bachs Lautenclavier

Peter Waldner, Johann Sebastian Bach


Leise Laute

Eine interessante Entdeckung machte Hubert Hoffmann im Archiv von Stift Klosterneuburg: eine in Tabulaturschrift verfasste Sammlung von Arien, Lamenti, Tänzen, Variationen und Präludien verschiedener Komponisten aus Frankreich, Italien, Österreich und Deutschland, darunter Johann Losy und Giuseppe Porsile, aber auch viele unbekannte Autoren. Auf "Nach der Züffer undt Buechstaben" stellte Hoffmann eine Auswahl aus diesem Kompendium vorwiegend melancholisch-intimer Werke zusammen und bietet damit einen überraschenden Einblick in die internationale Musikpraxis in Wien um 1700.Von wegen die CD ist tot! Höchst lebendig wirkt zum Beispiel die Edition Alte Musik des ORF. Nicht nur aufgrund ihres beeindruckenden Veröffentlichungsrhythmus – über hundert Titel sind seit 1996 erschienen –, sondern vor allem, weil ihr Herausgeber Bernhard Trebuch damit entscheidend zum Aufschwung der österreichischen Alte-Musik-Szene beigetragen hat.
Gleich drei Alben der jüngsten Zeit gelten im weiteren Sinn der Laute. Nach dem Vorbild von Stings Dowland-Hommage "Songs from the Labyrinth" gestalteten die Lautenistin Christina Pluhar und der Sänger Marco Beasley ein ganz ähnliches Programm: "Dowland in Italia" verknüpft Briefzitate von der Italienreise des englischen Renaissancekomponisten mit dessen Songs. Den Pop-Appeal von Stings rauchiger Stimme kann Beasley freilich nicht bieten, was der Wirkung des Albums aber keinen Abbruch tut.Die klangliche Delikatesse der Laute faszinierte im Barock auch pianistische Komponisten. Johann Sebastian Bach etwa besaß gleich zwei sogenannte Lautenklaviere, also Cembali, die durch ihre Bauweise den Klang des Zupfinstruments nachahmen. Heute sind diese filigranen Instrumente kaum noch zu hören. Leider, wie Peter Waldner beweist. Auf "Bachs Lautenclavier" versammelt er Werke Bachs (BWV 995, 997, 998, 1006a), die heute meist von Lautenisten gespielt werden, seiner Ansicht nach aber fürs Lautenklavier geschrieben wurden. Auf der beigelegten Film-DVD erläutert er nicht nur die Eigenarten seines seltenen Instruments, sondern auch, wie er zu dieser These kommt.

Carsten Fastner in FALTER 3/2008



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