Im

Bugge Wesseltoft


Hier swingt der Elch

Wir wollen uns hier aber einmal dem instrumentalen Kollegen widmen, unter welchen Bugge Wesseltoft (bekannt auch als Begleiter der Sängerin Sidsel Endresen) eine Schlüsselstellung zukommt – nicht zuletzt als Gründer des Labels Jazzland, auf dem nun auch sein Album "Im" (Universal) herausgekommen ist. Wesseltoft, der hier zwar meist alleine, aber nicht immer solo spielt, verpasst dem Spiel am Flügel durch ergänzendes Fender Rhodes Piano, Pseudoloops, der Stimme von Mari Boine oder Samples (oha, hier spricht Bush – ein "politisches Statement"?!) ein apartes Design, mit dieser Mischung aus selbstgefälliger Schwermut und Groove nach Vorschrift ist der Kelch mit dem Elch aber sicher nicht zu gewinnen.Die Bedeutung des Jazzkindergartens in Skandinavien ist pisamäßig noch nicht ganz erfasst, aber wer sich einen Überblick über die nordischen Nachtigallen verschaffen will, bevor er eine der im Wochentakt veröffentlichten neuen Alben von Rigmor und Rebekka, Susi, Solveig, Silje und Sidsel kauft, ist mit "Magic Nordic Voices" (Act/Edel) bestens bedient.Ganz anders geht John Balke die Sache an: Der Norweger beweist auf seinem ersten Soloalbum "Book of Velocities" (ECM/Lotus) zwar auch eine Vorliebe für das Spiel im und mit dem Korpus des Klaviers, aber die neunzehn kurzen, so gut wie groove- und melodiefreien Stücke sind entschieden spröder – und zwischen zwei Noten kann man sich auch schon mal eine Dauerwelle legen lassen.In die Vollen hingegen geht der schwedische Exportschlager des Esbjörn Svensson Trio mit seiner Doppel-CD "e.s.t. live in hamburg" (Act/ Edel). Was vor Publikum – nach den lautstarken Reaktionen zu schließen – ganz offenkundig funktioniert, überzeugt auf Konserve weit weniger: Auch wenn es in einer ähnlichen Tradition steht, verfügt e.s.t. lange nicht über die Subtilität der Trios von Keith Jarrett oder Bobo Stenson, sondern wechselt von keineswegs kitschresistenten Balladen zu hochdynamischen, aber dennoch spannungsarmen Stücken, die schlicht zu lang sind – nicht zuletzt, weil das Schlagzeugspiel von Magnus Öström mitunter an die professionelle Performance eines Pornostars erinnert: gnadenlos effektiv und ohne jede Überraschung.

Klaus Nüchtern in FALTER 48/2007



ANZEIGE


FALTER abonnieren
×