Fill Up The Room

Saturday Looks Good To Me


K wie K-Records

Mitte der Neunziger war es ganz einfach: Stand auf einer Platte "K-Records", so war ziemlich sicher schrammeliger Indiepop mit punkigem Background drin, der weniger von technischer Raffinesse als von einer Extraportion Herzblut geprägt war. Schaut man dieser Tage in der Welt des vom Musiker und Pop-Underground-Aktivisten Calvin Johnson 1982 gegründeten Labels aus Olympia, Washington vorbei (das "K"-Logo zierte als Tätowierung übrigens Kurt Cobains Arm), so ist die Überraschung groß: K-Records (Vertrieb: Trost) bringt zwar immer noch tolle Musik heraus, sie klingt aber ganz anders als damals.
Das titellose Debüt von Adrian Orange & Her Band ist dafür das beste Beispiel. Orange ist ein gerade dem Teenageralter entronnenes Käsegesicht, das aber schon mehr als sein halbes Leben der Musik verschrieben hat: Erstes Zusammenspiel mit dem Herrn Papa als Sechsjähriger, erste Liveauftritte in Punkschuppen mit zehn – diese Abteilung. Unterstützt durch eine vielköpfige, von schnittigen Bläsern und allerlei Schlagwerk geprägte Band kreiert dieser Jungspund selbstsicher und versiert, zugleich aber frei von professionellem Gehabe eine faszinierende Mischung aus schepperndem Funk, fiebrigem Jazz in ausgelassener Feierlaune und ein wenig Indierock-Tristesse, die man so noch nicht gehört hat. Packend, mitreißend und hochemotional!Ganz anders, aber ebenfalls wundertütenähnlich tönt das um den Multiinstrumentalisten und Vokalisten Fred Thomas gruppierte Bandkollektiv Saturday Looks Good To Me auf seinem neuen Album "Fill Up the Room": Melodieseliger, dem kollektiven Freakout prinzipiell nicht abgeneigter, dabei aber doch immer im Dienste des Songs stehender Indiepop schillert hier in unterschiedlichsten Farben und Stimmungen, wobei sich die elf teils wunderbaren Songs auch ganz selbstverständlich zu einem geschlossenen, aber stets spannend bleibenden Ganzen fügen.Old Time Relijun schließlich spielen auf "Catharsis In Crisis" saxofongestützten Avantgardepunk zwischen kindlichem Spieltrieb, Dachschaden und freundlicher Nervensäge, wobei sich die Lust am Groove immer wieder freie Bahn bricht. Krachige Tanzmusik für Wagemutige.

Gerhard Stöger in FALTER 45/2007



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