Hitler, Huhn und Hölle!

Christoph & Lollo


Lokale Rundschau

Früher haben Christoph & Lollo ausschließlich trübselige Lieder über tatsächliche und tragische Helden des nordischen Skisports gesungen – und einen anfangs lustigen Witz definitiv einmal zu oft erzählt. Beim letzten Album "Trotzdemtrotz." wurden
die Skispringerlieder überraschend durch gediegene moderne Protestsongs ersetzt, die in ihrer simplen Machart und ihren teils skurrilen Alltagsbetrachtungen ganz neue Qualitäten des Duos offenbarten. "Hitler, Huhn und Hölle!" (Acute/Hoanzl) setzt jetzt noch einen drauf: Hinter dem vordergründigen Geblödel des im Kern mit zwei Stimmen und zwei akustischen Gitarren auskommenden Gag-Folklore-Gespanns verbergen sich bissige Kommentare zum Zeitgeschehen, die voll sprachlicher Originalität vorgetragen werden. Egal, ob man jetzt gleich doppelt an Hubsi Kramers Opernballbesuch erinnert, ob es um Markenwahn, Ausverkauf der Popkultur und Polizistenmentalität geht, um die eigene Kleingeistigkeit, zu viel Schulmedizin im Kreissaal oder die Sexualisierung der Alltagswelt – Christoph & Lollo finden die richtigen Worte und packen große Wahrheiten in lustige kleine Reime. Man höre nur, wie pointiert die beiden in "Wir brauchen ein Lied" zwischen Fiktion und Wirklichkeit in Sachen Sex zu unterscheiden verstehen.

Gerhard Stöger in FALTER 41/2007



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