Maria

Maria Malibran, Vincenzo Bellini, Cecilia Bartoli, Orchestra...


Und wieder hat Cecilia Bartoli eine neue Leidenschaft für sich entdeckt. Nach Gluck und Salieri stürzt sich die römische Mezzosopranistin, die wie kaum eine andere Starsängerin ihren Status für die Propagierung entlegener Themen zu nutzen versteht, diesmal nicht auf einen Komponisten, sondern auf eine sagenumwobene Vorgängerin: auf Maria Malibran (1808–1836), die erste Diva der Operngeschichte, eine frühe Meisterin der Koloratur, bewundert von Victor Hugo und Chopin, umworben von Bellini, Donizetti und Rossini, bejubelt in Europa wie in Amerika – und tragisch früh an den Folgen eines Reitunfalls gestorben, was der romantischen Legendenbildung keinesfalls abträglich war.
So begeistert ist Bartoli, dass sie ihre eigene Sammlung von Bühnenkostümen, Partituren und anderen Devotionalien der Malibran in einem Museumsbus auf große Europatournee schickt (www.mariamalibran.net). In Wien wird zwar nicht Station gemacht, doch Bartolis Sammlung von Belcanto-Preziosen aus dem Repertoire der Verehrten, schlicht "Maria" genannt (Decca/Universal), ist auch hierzulande erhältlich. Gemeinsam mit dem Orchester La Scintilla und Adam Fischer nähert sich Bartoli 17 teils kaum bekannten Arien von Pacini, Bellini, Persiani, Halévy, Mendelssohn, Hummel und von Malibrani selbst: wie gewohnt mit historisch fundierter Sorgfalt, dabei sängerisch nicht immer ganz makellos, aber mitreißend vom ersten bis zum letzten Ton.

Carsten Fastner in FALTER 40/2007



ANZEIGE


FALTER abonnieren
×