God Luck And Good Speed

Weedeater


Blöde Buben

Die Birne verlangt nach Lärm, hart und hirnlos. Nur keine Botschaften, keine Texte gegen Bush und die Klimaerwärmung. Die Ambitionen der Musiker sollen sich darin erschöpfen, lautstark nach Sex und Drogen zu verlangen. Eine lobende Erwähnung verdient in diesem Zusammenhang schon allein aufgrund ihres Namens die US-Band Weedeater. Auf "God Luck and Good Speed" (Southern/Trost) machen die drei Herren der Substanz ihrer Wahl alle Ehre und ziehen die Stücke gern mal in die Länge. Sie sind jedoch keine Dödel, ihre Songs verfügen über eine präzise Dramaturgie. Geerdet ist das Wüten im harten Bluesrock der Metal-Paten Black Sabbath - wozu Innovation, wenn schon die Großväter wussten, wie's geht? Dazu kommen Grunzgesang und homöopathisch dosierte Doom- und Country(!)-Elemente. Sowie nicht zuletzt ein Sound zum Niederknien. Produziert hat nämlich kein Geringerer als Steve Albini. Hätten Beavis & Butthead das noch erleben dürfen.

Toll fänden die beiden bestimmt auch Pissed Jeans, ein Quartett aus Pennsylvania. Sich in die Hosen machen, das wäre doch eine echte Alternative zum ritualisierten Headbangen bei Metal-Konzerten. Wobei "Hope for Men" (Sub Pop/Trost) weniger Metal als ein Dokument reinen Furors ist und zwischen schwindelerregendem Punkrock und Noise pendelt. Hier gelingt tatsächlich etwas Neues: Musik für Menschen, die gern anderen Menschen dabei zuhören, wie sie sich gezielt selbst erniedrigen. Danke, Pissed Jeans, irgendjemand muss es tun.

Schnell zur Sache kommen die New Yorker A.R.E. Weapons auf "Modern Mayhem" (Defend Music/Hoanzl). In 39 Minuten prügeln sie 15 Punkrocksongs runter. Manche klingen wie eine moderne Fassung des Ramones-Sounds, dann wieder darf der Synthesizer komische Klänge ausspucken. Die von Sonic Youths Thurston Moore entdeckte Band steht stolz für die doofe, latent bösartige Seite von New York. Als Motto schreibt sie "I don't know your life, bitch" aus, die Platte beginnt und endet mit dem ebenso programmatischen "We Don't Care". So könnten die Beastie Boys heute klingen, wenn sie nicht damit angefangen hätten, Bücher zu lesen. Erfrischend blöd.

Sebastian Fasthuber in FALTER 35/2007



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