QUEENS AND KINGS

Ciocarlia Fanfare


Balkan global

Am Ende knistert ein herzzerreißendes Original, singt und spielt sich das Trio Mustafa Sudzuka die Sehnsucht von der Seele. Die historische Aufnahme aus dem Jahre 1908 beschließt einen unterm Strich gelungenen Überblick über das gegenwärtige Spektrum der "Sevdalinka" (Piranha/Lotus), der zutiefst melancholischen Form des bosnischen Liebesliedes mit slawischen, orientalischen und jüdischen Wurzeln. Mercan Dede, Jadranka StojakovicŽ und viele andere Bosnier aus aller Welt lieferten zeitgenössische Interpretationen, von denen ausgerechnet jene am überzeugendsten ausfallen, die sich am stärksten an der Tradition orientieren.

Die Modernisierung altehrwürdiger, stark regional gebundener Musikformen mithilfe internationaler Einheitsklänge ergibt eben selten mehr als globalisierte Beliebigkeit. Die rumänische Fanfare CiocaÇrlia verzichtete bei ihrem Blick auf die weite Welt immerhin auf den Einsatz von Elektronik und DJ. Stattdessen lud man für "Queens and Kings" (Asphalt Tango/Lotus) Zigeunermusiker aus ganz Süd- und Südosteuropa ein (darunter Esma Redzepova, Ljljana Buttler und Mitsou), um das bewährte Blechbläserfurioso mit ein paar Flamenco-, Rumba- und Jazzeinflüssen anzureichern. Ein bisschen glatt klingt das Ergebnis hie und da trotzdem.

Eben das ist Taraf de Haïdouks glücklicherweise nicht passiert, als sie für "MasÇkarada" (Crammed Discs/Lotus) einschlägige Klassiker von Béla Bartók, Aram Khachaturian, Isaac Albeníz und Manuel de Falla auf deren folkloristische Wurzeln zurückführten. Und doch macht diese Platte immer dort am meisten Spaß, wo die rumänische Brachialkapelle ohne komponierte Vorlage loslegt.

Weit behutsamer gingen Bilja KrsticŽ und das Bistrik Orchestra vor. Auf "Tarpos" (Intuition/Lotus) stellte die serbische Sängerin zwölf Traditionals aus Bulgarien, Serbien, Moldawien, Griechenland, Makedonien, Bosnien und dem Kosovo zusammen - und setzte in der Interpretation ganz auf deren jeweilige Eigenarten. So betont sie die Gemeinsamkeiten und Unterschiede innerhalb der Musik des Balkans, und genau daraus bezieht das Album seinen besonderen Reiz.

Carsten Fastner in FALTER 34/2007



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