Is Is

Yeah Yeah Yeahs


Kurz und bündig

Alles klingt eigentlich wie immer auf "New Maps of Hell" (Epitaph/Edel), dem neuen Album der seit einem Vierteljahrhundert aktiven US-Punks Bad Religion. Die Struktur der bei druckvoller Geradlinigkeit stets sehr melodischen und durch markante Chorgesänge geprägten Songs ist simpel, an Firlefanz wie gefinkelte Wendungen oder unerwartete Stilbrüche wird kein Gedanke verschwendet. Letztlich klingt das aber weit packender als zuletzt, denn so konzentriert, spielfreudig und wütend gegen das Böse auf der Welt anspielend hat man das Sextett schon lange nicht mehr erlebt. Bei 16 Songs in knapp 39 Minuten sind Bad Religion bereits gut unterwegs, gegen 52 (!!!) Titel in 79 Minuten können sie allerdings nichts ausrichten. Diesen unglaublichen Wert schafft die amerikanische LoFi-Ikone Sebadoh beim Reissue des knapp zwanzig Jahre alten Albums "The
Freed Man" (Domino/Edel), das mit gleich zwanzig Bonustracks neu aufgelegt wurde. Am Stück gehört ist das natürlich eine ziemliche Herausforderung, in kleinen Dosen genossen wirkt Sebadohs Mixtur aus Schrammelpunk, Indiepop, Antifolk, genialem Dilettantismus, Tapemanipulation und Teenage-Angst aber heute noch herzerweichend.Zumindest vom Format her kurz und bündig geben sich die ewigen Indiepop-Eigenbrötler Ween. "The Friends EP" (Schnitzel/Hoanzl) umfasst fünf Songs und hat wieder einmal ordentlich einen an der Waffel: Eurodiscosounds zwischen käsig und spacig stehen neben dubbigen Elektropopspielchen, breit grinsender Latinogaudi und Achtzigerjahrepoptheatralik. Spinnert? Ja, klar. Und gut? Ja, eigentlich auch dasÿ Die New Yorker Derwischrocker Yeah Yeah Yeahs haben mit "Is Is" (Polydor/Universal) ebenfalls eine fünf Songs starke neue EP eingespielt und füttern damit den alten Verdacht, dass ihnen das Kurzformat eher liegt als die ganze Albumlänge. Zwar bewegt sich das Trio auch hier am erprobten Terrain und kombiniert das lustvolle Gegeneinander von Schlagzeug, Gitarre und Karen Os vokalem Rasiermesser mit elegantem Grobianerrock und nur scheinbarem Ruhigertreten; im Gegensatz zum Langspieler ist die Platte aber zu Ende, bevor die guten Ideen ausgehen.

Gerhard Stöger in FALTER 31/2007



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