DEDICATION TO A CITY

Angela Troendle & Mosaik


Die Zeit ist reif

So frisch kann Jazz klingen: Die Sängerin und Komponistin Ángela Tröndle hat mit ihrem neuen Album ein stimmungsvolles Stück New York eingefangen.

Ángela Tröndle weiß jetzt, wo's langgeht. Die quirlige 24-jährige Salzburgerin hat sich gegen eine musikpädagogische und für eine künstlerische Laufbahn entschieden, zu komponieren begonnen, eine Band gegründet und sich - wie um diese biografische Wende zu markieren - einen Akzent auf den ersten Buchstaben ihres Vornamens gesetzt. Dass sie Musik machen wollte, das wusste sie allerdings schon früher. "Ich wurde in eine sehr musikalische Familie hineingeboren und durchlief die klassische Kinderkarriere mit Blockflöte, Geige und Klavier. Aber eigentlich wollte ich immer schon singen", sagt Tröndle. Nachdem sie aber die Aufnahmeprüfung für Jazzgesang an der Grazer Kunstuniversität gleich zweimal verpatzt hatte, ist sie kurz vom vorgezeichneten Weg abgekommen: "Da dachte ich mir, lernst halt etwas Richtiges. Aber dann habe ich erst recht das Fach Jazzgesang mit Auszeichnung absolviert. Die Zeit war damals wohl nicht reif."

Mosaik heißt ihre Band nun, ganz bewusst nicht Ángela Tröndle Quartett, weil ihr die fixe Bandbesetzung wichtig ist. Am Saxofon ist da etwa Siegmar Brecher tätig, mit dem sich Tröndle gemeinsam dafür eingesetzt hat, dass das Konzept der Wiener JazzWerkstatt seit heuer auch in Graz seine Wirkung entfalten kann, unter anderem mit der Konzertreihe "Fat Tuesday". Ihren künftigen Weg sieht Tröndle klar vor sich: Sie hat Pläne für ein Soloprojekt, möchte mit einem Trio auftreten und plant im Zuge ihres Kompositionsstudiums auch mit Bigbands zu arbeiten. "Man muss sich selbst organisieren, auch einmal ins kalte Wasser springen und sich selbst vermarkten. Darauf warten, dass jemand anderer etwas für dich tut, reicht sicher nicht. Ich möchte etwas weiterbringen!"

Und das tut sie auch, etwa mit ihrer gerade beim Label "cracked an egg records" erschienenen CD "Dedication to a City". Fast alle Songs darauf stammen aus ihrer Feder. "Meine Lieder entstehen größtenteils durchs Herumklimpern am Klavier", sagt Tröndle. "Zuerst ist die Melodie da, dann entstehen Patterns und aus diesen, zusammen mit der Band, die Arrangements." Ein dreimonatiger New York-Aufenthalt vergangenen Herbst hat sie zusätzlich motiviert: "Die dortige Szene ist wahnsinnig lebendig, jeder jammt mit jedem, in Living room-Session kommen jeden Tag unzählige Musiker zusammen, die sich interkulturell austauschen. Dadurch entsteht eine gewaltige Vielschichtigkeit, es gibt auch absolut keinen Neid. Man merkt einfach, welche immense Freude am Spielen vorhanden ist".

Diese Spielfreude hat Ángela Tröndle aus New York mitgenommen und in ihre Platte gepackt. Die überaus professionelle Band glänzt darauf mit kontemplativen Ansätzen ebenso, wie sie mit purer Spielfreude zu begeistern vermag. Tröndle erlaubt ihrer Stimme elegische Ausflüge in textfreie Scat-Regionen, beeindruckt aber auch mit enormem Timbre bei gekonnt in Musik übersetzten Rilke-Gedichten. Aufgenommen wurde das Album in Rekordzeit: "Eigentlich haben wir geplant, die CD in drei Tagen einzuspielen. Wir haben viele Songs als First takes eingespielt und wollten auch die restlichen wie ein Live-Konzert klingen lassen. Durch die entspannte Atmosphäre im Studio haben wir aber letztlich nur zwei Tage gebraucht." Diese Good vibrations kann man heraushören, sie sorgen auf der CD für vielstimmige Entspannung. Entspannt geht es Tröndle jedenfalls auch weiterhin an: "Mal sehen, wohin mein Weg geht", sagt sie, "aber ich denke, ich habe die richtige Richtung eingeschlagen".

Christian Salentinig in FALTER 28/2007



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