We All Love Ella. Celebrating The First Lady Of Song

Diverse


Leading Ladies

"Red Earth. A Malian Journey" (Universal) ist das üppig ausgestattete Produkt (Doku auf DVD!) einer "Heimkehr" zu den "roots", die sich u.a. in perkussionsreicher, zumindest "teiloriginaler" Instrumentierung manifestiert. Neben Klassikern wie "Afro Blue" oder "Compared to What" werden in Call-and-Response-Manier vorgetragene Songs in Englisch und Bambara zum Besten gegeben, die auch die mütterliche Hygiene- und Sexualerziehung feiern Obwohl die Kompaktdisckonserve ja kracht wie die Kaisersemmel, geht noch immer ein bissl was. Konservative, aber kaufkräftige Hörer im greisenhaften Plus-40-Segment greifen nämlich nach wie vor eher zur CD, als dass sie downloaden. Ein relativ lukrativer Posten dürften Sängerinnen sein, und wenn einmal ein paar Wochen kein neuer Star über Skandinavien aufgeht, kann man auf Altbewährtes zurückgreifen: "We All Love Ella" (Verve/Universal) lässt "Today's Pop, Jazz, Blues and R&B Greats" auf das Repertoire von Ella Fitzgerald los, ohne dabei durch Neudeutungen zu verstören, die die Kühnheit der Verwendung eines E-Basses überträfe. Queen Latifah interpretiert "The Lady Is a Tramp" säurefrei und fast bieder; Natalie Cole & Chaka Khan fahren im Duett vorsichtig die Krallen aus; Diana Krall zeigt, begleitet vom 88-jährigen Hank Jones, was sie draufhat, und Michael Bublé gibt einmal mehr den Neo-Mel-Tormé. Nicht unwitzig: der flummifröhliche Scatgesang der 12-jährigen Kanadierin Nikki Yanofsky.
Dee Dee Bridgewater scattet ebenfalls zu Ellas Ehren, hat aber auch selber ein neues Album herausgebracht So ziemlich das Gegenmodell zur mitunter grenzhysterisch extrovertierten Bridgewater ist die 76-jährige Abbey Lincoln, die sich mit "Abbey Sings Abbey" (Verve/Universal) auch auf die eigene Identität besinnt: Mit der Ausnahme von "Blue Monk" enthält das Album lauter Eigenkompositionen – mehr Lieder als Jazzsongs, entstanden im imaginären Landstrich irgendwo zwischen Memphis, Paris und New Orleans. Von ergreifender, ornamentloser Schlichtheit, mit Larry Campbells diversen Gitarren, Bass, Drums, Cello und Akkordeon kongenial instrumentiert, lastet auch dort die Melancholie des Abschieds auf ihnen, wo die Texte etwas anderes behaupten.

Klaus Nüchtern in FALTER 27/2007



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