Sinfonien

Kirill Kondrashin, Dimitri Schostakowitsch


Alte Meister

Ebenso erfreulich ist die Initiative, die späten autorisierten Aufnahmen von Svjatoslav Richter in einer Serie günstiger Doppel-CDs (Decca/Universal) auch jüngeren Sammlern wieder zugänglich zu machen. Wir harren noch der in den langsamen Sätzen gedehnt episierten Schubert-Aufnahmen, die zu den einsamen Gipfeln pianistischer Kunst zählen. Anlässlich der ersten Lieferung bewundern wir Richter einstweilen mit Sonaten und kleineren Werken von Skrjabin, Prokofjew und Schostakowitsch oder als Beethoven-Interpreten.

Bei allem Klagen über die Krise des Klassikmarkts sollte man nicht übersehen, dass dem Mangel an interessanten neuen Studioproduktionen eine Fülle von Wiederveröffentlichungen und bisher unzugänglichen Archivaufnahmen gegenübersteht. Das gilt zum Beispiel für Meister aus der ehemaligen Sowjetunion. Das (unter anderen bei Gramola erhältliche) russische Traditionslabel Melodiya etwa legt - zwar in einer schundigen Schachtel, aber mit deutlich verbesserter Tonqualität - die immer noch beste Gesamtaufnahme der Sinfonien von Dmitri Schostakowitsch neu auf. Kyrill Kondraschin dirigiert mit Feuer und Vehemenz das klassisch-avantgardistische Frühwerk, die immer wieder das Vulgäre streifenden mittleren und die wunderbar heterogenen drei letzten Sinfonien, dass es eine Freude ist.

Bisher weitgehend unveröffentlicht sind meines Wissens die vom Billiglabel Brilliant Classics herausgebrachten Kammermusikaufnahmen des Geigers David Oistrach. Die 10-CD-Box umfasst Aufnahmen von den Vierziger-bis zu den Siebzigerjahren - bei entsprechend schwankender Klangqualität -, das Repertoire reicht von Johann Sebastian Bach bis zu Karol Szymanowski. Höhepunkte sind die kongenial gespielten Klaviertrios von Hummel und Schumann mit Lew Oborin am Piano sowie die Violinsonaten von Sergej Prokofjew, mit dem Oistrach ja eng befreundet war.

Den Geigenfetischisten werden besonders die virtuosen, wenn auch musikalisch nicht ganz so bedeutenden Miniaturen des romantischen Faches überzeugen: Oistrach verliert sich dabei nie ins Akrobatische, sondern meistert die technischen Schwierigkeiten mit der ihm eigenen souveränen Noblesse.

Karl A. Duffek in FALTER 22/2007



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