Station

Alan Vega


Elvis aus der Hölle

Sonderlich viele Gemeinsamkeiten konnte man Mark E. Smith und Mouse On Mars bislang beim besten Willen nicht attestieren. Gut, beide waren stets für ein gewisses Krautrockfaible bekannt und beide gelten weithin als unantastbare Ikonen der jüngeren Popgeschichte. Die jeweils beackerten Felder waren aber ganz andere: Während Mark E. Smith als Kopf, Herz, Bauch und nicht zuletzt auch Arsch der britischen Band The Fall seit drei Jahrzehnten Postpunk konsequent mit schlechter Laune versetzt, gehören die beiden deutschen Marsmäuse zu den zuverlässigsten Soundtüftlern im Bereich des elektronischen Gefrickels mit Popappeal. Unter dem Namen Von Südenfed hat man jetzt überraschend gemeinsame Sache gemacht und mit "Tromatic Reflexxions" (Domino/ Edel) einen famosen Kracher in zwölf Episoden mit so gediegenen Titeln wie "Fledermaus Can't Get It" oder "Speech Contamination/German Fear of Österreich" geschaffen. Mr. Smith gibt einmal mehr den Mann, der mit der Luft schimpft, wobei er aber nicht von sägenden Gitarren, sondern von scheppernden Beats und Sounds aus der Elektronikkiste begleitet wird. Ein großer Wurf!

Elektronisch tönt auch Mark E. Smiths New Yorker Zeitgenosse Alan Vega. Auf seinem neuen Soloalbum "Station" (Blast First/Mute/Emi) gibt die Stimme der Synthie-Punk-Pioniere Suicide den Elvis aus der Hölle, der von einem beklemmenden Fiebertraum in den nächsten taumelt und dazu selbstgeschnitzte Technobeats der Marke "Extrastumpf" böllern lässt, die zuletzt irgendwann in den Achtzigern als modern gelten durften. Hart. Und kein bisschen herzlich. Aber: nicht ohne Reiz.

Ungleich zärtlicher gibt sich Colin Newman, der Exsänger der britischen Art-Punks Wire, auf dem passend "Art Pop" (Swim~/ Trost) betitelten neuen Album seines Quartetts Githead. Wird hier gelärmt, hat das stets poppige Momente, gibt man sich dem Schönklang hin, unterläuft ein unterschwelliges Brodeln jede falsche Gefälligkeit. Zwischen diesen Polen findet man zu einer Reihe unaufgeregter Songs. Dass sie an den Noise-Pop der Achtzigerjahre erinnern, klingt bei Newman freilich weniger retro als vielmehr nach gewitztem Selbstzitat.

Gerhard Stöger in FALTER 21/2007



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