Kreisky

Kreisky


A bissl oasch is jeda

Die Wiener Band Kreisky hat einen gewichtigen Namen, geilen Rock und gute Texte - und sie hat es faustdick hinter den Ohren.

Von sich selbst behaupten Kreisky ungeniert: "Im Prinzip machen wir Deutschrock." Keine Angst, auf ihrem Debüt beweisen die vier Wiener erstens, dass Rock mit deutschsprachigen Texten auch ohne den üblichen Befindlichkeitskram zu haben ist. Zweitens liefern sie den Beweis, dass ein österreichischer Ein- und Zungenschlag nicht zwangsläufig in Richtung Austropop führen muss.

Was haben Kreisky, was andere Bands nicht haben? Zunächst haben Franz Adrian Wenzl (Gesang, Orgel), Martin Max Offenhuber (Gitarre), Gregor Tischberger (Bass) und Klaus Mitter (Schlagzeug) gute, mitunter sehr böse Texte. "Es geht darum, auch die unschönen Seiten an sich ranzulassen und zu reflektieren", sagt Wenzl über Songs wie "Probleme mit der Fragestellung". "Da braucht man keinen großen fiktiven Icherzähler vorschieben, das bin ich mit meiner Eifersucht oder meinem Neid." Kreisky finden, dass jeder "a bissl a Oasch is". Die meiste Zeit aber sind sie eh wohlerzogene Herren, die nach vielfältigen musikalischen Projekten einfach beschlossen haben: "Wir sind zwar keine Bad Boys, aber wir können trotzdem eine Rockband sein" (Tischberger).

Den Nukleus des Quartetts bilden Wenzl und Offenhuber, die zehn Jahre das Experimentalduo Gelée Royale betrieben haben. Offenhuber: "Mit der Zeit wollten wir etwas Direkteres machen, waren auf der Suche nach etwas Neuem und sind zu etwas total Klassischem gekommen." Die beiden taten sich mit zwei anderen guten Bekannten, zusammen, und seit 2005 wird fleißig geprobt und live gespielt, wobei sich eine raue Art von Rock als adäquater Sound herauskristallisierte. In ihren sperrigen Momenten erinnert die Band ein wenig an die Goldenen Zitronen, in den melodiösen klingt sie wie eine gute Indierockband. Wären wir in England, würde sich die Single "Wo Woman ist, da ist auch Cry" vermutlich in den Top Ten befinden.

Ein weiteres Ass im Ärmel ist natürlich der Name: "Den merkt sich jeder", ist Wenzl überzeugt. "Er sollte auffällig sein, wie Genesis oder Pink Floyd. Außerdem hat Kreisky einen schön harten Klang." Politrocker sind Kreisky dennoch keine: Ihre Texte klagen nicht an - und wenn doch, dann sind es höchstens Selbstanklagen. Manchmal singt Wenzl aber auch einfach nur über Mädchen.

Kompositorisch bringen sich alle vier Mitglieder ein, was aufgrund der hohen Schnittmenge der jeweiligen Plattensammlungen meistens gut klappt. Manchmal führen aber auch Missverständnisse zum Ziel, wie Wenzl erklärt: "Der eine sieht den Refrain eines neuen Songs als Indierock-Refrain, der andere als Progrock-Refrain. Und jeder freut sich und glaubt, er hat sich super eingebracht." Tischhuber: "Der Indierocker bin ich, Franz hat jahrelang nur Yes-Platten gesammelt, wir dürften uns also normal gar nicht verstehen."

Kreisky klopfen sich hin und wieder gegenseitig auf die Finger, aber auf liebevolle Art, denn sie wissen, was sie aneinander haben. Sie teilen die Vision, die richtige Balance zwischen Pop und Experiment, zwischen freundlich und furchterregend (siehe Albumcover!) zu finden. Und ab und zu darf auch die Sau raus. "Wir haben zwei neue Nummern geschrieben", gesteht Wenzl: "Die eine ist eine zweiminütige Popsünde, die andere ein achtminütiges Epos, in dem Martin den Santana raushängen lässt."

Sebastian Fasthuber in FALTER 18/2007



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