We'll Never Turn Back

mavis Staples


Alte Heldinnen

Angefangen hat Mavis Staples als Gospelsängerin im familiären Verband der Staple Singers. 1963 lernte Papa Staples Martin Luther King kennen und erweiterte daraufhin das Repertoire seiner Gruppe entsprechend: "Ich mag diesen Mann und ich mag seine Botschaft. Und wenn er das predigen kann, so können wir es auch singen." Dreieinhalb Jahrzehnte später interpretiert Mavis Staples auf "We'll Never Turn Back" (Anti/Edel) noch einmal eine Handvoll dieser Lieder. Unter Ry Cooders umsichtiger Produktion steht ihr intensitätsgeladener Vortrag im Zentrum, begleitet lediglich von einer schlanken, auf jeglichen Firlefanz verzichtenden Band mit Cooder selbst an der Gitarre.

Auch Patti Smith wühlte in der Vergangenheit. "Twelve" (Sony BMG) enthält ein Dutzend Lieblingslieder der Punkpoetin, die sie teils konventionellen, teils aber auch sehr freien Interpretationen unterzieht. Vieles hier ist naheliegend - etwa Hendrix' "Are You Experienced", Neil Youngs "Helpless" und "Gimme Shelter" von den Stones -, dadurch aber keinen Deut schlechter; manches kommt überraschend: Tears For Fears' mehr als würdevoll interpretierte Achtzigerpop-Edelschnulze "Everybody Wants to Rule The World" etwa oder Nirvanas "Smells Like Teen Spirit", das sich als sechseinhalbminütige Ballade samt Banjo und Geige zum Highlight des Albums auswächst.

Ihr eigenes Werk sichtet Yoko Ono. Nach der CD "Yes, I'm a Witch" mit teils ausgezeichneten Neuvertonungen ihres Backkatalogs durch zeitgenössische Größen des Alternative-Pop, legt sie mit "Open Your Box" (Astralwerks/Emi) das Großraumdiscoäquivalent dazu nach. Die 14 Remixe von Basement Jaxx, Felix Da Housecat, Peter Rauhofer, Pet Shop Boys et al. deuten die Popavantgardistin zwar ungeniert in Richtung Bumbum, aber nicht einmal in diesem Ambiente geht ihr spezieller Reiz ganz verloren.

Ihr spätes Solodebüt hat Gudrun Gut fertiggestellt. Auf "I Put a Record On" (Monika/Hoanzl) besticht die ehemalige Schlagzeugerin der Berliner New-Wave-Band Malaria! ("Kaltes klares Wasser") durch unaufdringlich-stimmungsvolle Electronica-Tracks voll Eleganz und Schönheit, eine Smog-Coverversion inklusive.

Gerhard Stöger in FALTER 17/2007



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