Selftitled

Jakuzi's Attempt


Twist & Scream

Wer die Grazer Sixties-Garage-Rabauken The Staggers bei einem Konzert besucht, hat die Möglichkeit, die Live-Single in rotem Vinyl zu erstehen. Dass die Staggers bei allen Erfolgen ihre Liebe zur aufwendigen Single-Kultur nicht verloren haben, ist sympathisch. Die vier Songs auf dem Mitschnitt wurden im Berliner Club "Lovelite" zum Besten gegeben. Wo die Reise der Staggers künftig hingehen wird, ist im Moment schwer zu beantworten, ihre Lektion in Sachen Sixties-Pop erteilen sie derweil mit ungebrochenem Elan. So, als ob sie damals dabeigewesen wären.Das gelungene Design des neu aufgelegten Jakuzi-Debütalbums wurde bereits gelobt, musikalisch geht es die zur Zeit der Aufnahme noch als Quartett agierende Noisecore-Formation gekonnt, aber äußerst fordernd an. Der Sänger scheint sich beim Schreigesang von seinen Innereien zu verabschieden, von den Gitarrenwänden zwischen Noise und Free Jazz wird man beinahe erdrückt. Entspannung bieten die konzentrierten und ruhigen Post Rock-Passagen. Eine harte, aber verdammt leidenschaftliche Sache.Im Vergleich zu Jakuzi's Attempt ist das Duo ScarabeusDream bei aller Noise-Verliebtheit noch etwas näher am Pop. Das dominante, aber sanfte Klavier sorgt inmnitten krachiger und wüster Gitarrenausbrüche für Eingängigkeit, pathetisches Songwriting begleitet die episch ausgewalzte Tour de Force. Nummern oberhalb der Sechs-Minuten-Grenze sind keine Seltenheit. Eine gelungene Kombination aus zerstörerischer Wut und dunkler Wehmut. Da bekommt der Begriff "Schizo-Punk" wieder eine neue Bedeutung.

Tiz Schaffer in FALTER 17/2007



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