Some Loud Thunder

Clap Your Hand Say Yeah


In der Indiedisco

Man kann dem Problem des schwierigen zweiten Albums also auch durch Arbeitsbeschleunigung entgehen. Nur ein knappes Jahr nach der Europaveröffentlichung ihres Debüts legen die New Yorker Indieschrammelrocker Clap Your Hands Say Yeah mit "Some Loud Thunder" (Wichita/Edel) nach. Der ästhetischen Geschlossenheit des Vorgängers stellt das Quintett um Sänger und Songwriter Alec Ounsworth nun eine in unterschiedliche Richtungen weisende und letztlich nur durch den markanten Gesang zusammengehaltene Songsammlung gegenüber, die zwischen doppelbödiger Pianoballade, Velvet-Underground-Reminiszenz, fiebrig-elektronischem Tanzstück und kollektivem Taumel fast alle Stücke spielt.

Deutlich länger haben sich Bloc Party für ihr zweites Album Zeit gelassen. "A Weekend in the City" (Wichita/ Edel) bricht mit dem kommerziell ungemein erfolgreichen Dance-Punk-Sound des Debüts "Silent Alarm" und baut die elektronischen Anteile aus, wobei sich der moderne Rockentwurf des Londoner Quartetts auch zusehends epische Breitwandgesten und scheinbar ruhige, tatsächlich aber sehr aufwühlend-emotionale Passagen gestattet. Beim ersten Hören ist man da noch etwas ratlos, bei näherer Beschäftigung erweisen sich diese elf Songs als vielschichtige Großtat und großes Zukunftsversprechen der gegenwärtig wohl wichtigsten Band Englands.

Mit "Lie Lover Lie" (Because/Warner), dem Debüt des Quartetts The Blood Arm, kann man sich die Zeit ebenfalls äußerst kurzweilig vertreiben: flott gehaltener, verspielter, ins Ohr gehender und in die Beine fahrender Neo-New-Wave-Pop mit Pfiff und überbordendem Herz, der zwar britisch klingt, tatsächlich aber aus Los Angeles kommt.Auf der Suche nach dem schlicht hedonistischen Indiediscokracher ist man dieser Tage mit den ebenfalls britischen Klaxons gut bedient, die als Speerspitze eines neuen Trends namens "New Rave" gelten ("Rave" wie in: Drogen als nächtlicher Glückstreibstoff). Ihr Debüt "Myths of the Near Future" (Universal) rauscht in elf euphoriedurchtränkten, auf Füllmaterial großzügig verzichtenden Songs daher. Vor allem über den Faktor Rhythmus funktionierend, vergessen sie aber auch nie auf die Melodieführung, wodurch diese Musik selbst beim ebenso nüchternen wie einsamen Hören in den eigenen vier Wänden großen Spaß macht.

Gerhard Stöger in FALTER 6/2007



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