Master or Slave

Veland


Aus der Werkstatt

Der Hans Koller Preis 2006 ging an die Jazzwerkstatt Wien. Dass auf diese Weise eine Institution gewürdigt wird, die den heimischen Jazz mit Frischluft und-blut versorgt, ist einerseits erfreulich, andererseits auch ein wenig seltsam, weil unter diesem Label mittlerweile über hundert, zum Teil sehr unterschiedliche Musiker aufgetreten sind. Außerdem hätten sich genug Personen aus diesem Pool gefunden, die man persönlich mit dem Titel hätte auszeichnen können. Wie auch immer. Welches musikalische Spektrum diese auf unverdrossener und sehr professioneller Eigeninitiative basierende Plattform abdeckt, wird auf "Jazzwerkstatt Wien 2006" (CD/ DVD, Jazzwerkstatt/Lotus) dokumentiert, die letztes Jahr während des dreiwöchigen Festivals im Wuk aufgenommen wurde (das auch heuer wieder dort stattfinden wird, von 1. bis 24. März). Zwischen intimen Volksliedverjazzungen (sehr hübsch: Viola Falb (as) und Bernd Satzinger (b) mit "Trauriger Bua") und der ambitionierten 17-köpfigen Bigband Studio Dan findet sich allerlei Disparates, mal mehr, mal nicht ganz so Geglücktes. Bands wie Kelomat, Fuzz Noir und vor allem Falb Fiction haben eine eigene, stimmige Ästhetik entwickelt, bei anderen Projekten hapert es damit noch etwas - und in Sachen Humor, Performance, Allotria und Texteinsatz sollte man sich vielleicht ein Alzerl zurückhaltender zeigen.

Ein Händchen oder, besser, eine Kehle fürs Zupackende und Expressive hat auch die in Wien lebende Sängerin Maja Osojnik, die sich auf "Oblaki so rdeci" (Jazzwerkstatt / Lotus) der Volkslieder ihrer slowenischen Heimat annimmt (und dabei von einem sehr kompetenten Klavierjazztrio und anderen Jazzwerkstättern begleitet wird). Die Songs sind so, wie man immer schon vermutet hat - ganz schön melancholisch -, aber Osojniks schöner, dunkler Alt (der auch einen Hauch von Laszivität zu verbreiten vermag) schützt verlässlich vor Larmoyanz.

Völlig falsche Assoziationen wecken Titel und Cover von "Master or Slave" (PG Records) von Veland, der Band des in Wien lebenden Norwegers Øystein Veland. Was an Metal oder Hardcore-Free-Jazz denken lässt, geht eher in Richtung Singer/Songwritertum à la Tracy Chapman. Dass Jazzwerkstatt-Wunderwuzzi Clemens Salesny mit von der Partie ist, ist die nächste Überraschung. Sehr professionell gemacht, aber auch recht slick und mit ziemlich altklug-pubertären Texten.

Klaus Nüchtern in FALTER 4/2007



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