Songbird

Willie Nelson


Alte Meister

Willie Nelson ist mit 73 auch nicht mehr der Jüngste, die Vitalität und Kreativität des amerikanischen Country-Outlaws mit dem großen Herzen scheint aber unerschütterlich. Für "Songbird" (Lost Highway/Universal) hat er sich mit dem jungen Rock-'n'-Roll-Workaholic Ryan Adams zusammengetan, der die Platte nicht nur stimmig produzierte, sondern Nelson auch - samt seiner Band The Cardinals - musikalisch zu Diensten war. Obendrein hat Adams zwei Songs mitgebracht, vier stammen von Nelson; fünf Coverversionen zwischen Gram Parsons ("$ 1000 Wedding"), Leonard Cohen ("Hallelujah") und dem Traditional "Amazing Grace" komplettieren das Programm.

Der Sensenmann mag zwar bereits draußen vorm Fenster auf und abmarschieren, seinen Humor und seine unerschütterliche Abgeklärtheit lässt sich Lee Hazlewood davon aber nicht nehmen. Der vor allem durch seine Arbeit mit Nancy Sinatra berühmt gewordene amerikanische Ausnahmesongwriter, Brummbärsänger und Schräglagenpopproduzent ist 77, hantelt sich von Krebsoperation zu Krebsoperation und nennt sein Abschiedsalbum dennoch ohne jede Bitterkeit "Cake or Death" (BPX 192/SonyBMG). Die neuen Versionen der alten Hits "These Boots Are Made for Walking" und "Some Velvet Morning" (mit Hazlewoods kleiner Enkelin Phaedra als Duettpartnerin) hätte es zwar nicht unbedingt gebraucht, sie werden durch neue Bösartigkeiten wie "Baghdad Knights" aber locker aufgewogen. Nostalgie gibt es hier keine, und auch sentimental wird der Meister nur ganz am Schluss ein bisschen, wenn er fragt: "In this place that they call forever/Will there be any songs to sing?"

Einen musikalischen Kosmos ganz anderer Art haben die Melvins aus Metal und Punk, Komplexität und Stumpfsinn oder Kunst und Kacke in den letzten zwei Dekaden erschaffen. Auf "A Senile Animal" (Ipecac/Trost) ist wieder einmal ein neuer Bassist zu hören, und erstmals gehört der Band jetzt auch ein zweiter Schlagzeuger an. In ihrer Sprache ohnedies unverkennbar, liefern die solcherart erneuerten Melvins eine mit ordentlichem Krawumm anrauschende Bösartigkeitsattacke, deren Irrsinn freilich stets mit großer Disziplin inszeniert ist.

Sonic Youth waren zwar "nur" im Archiv, "The Destroyed Room - B-Sides and Rarities" (Geffen/Universal) ist als Zusammenstellung seltener Aufnahmen der letzten Jahre aber eine schöne Gelegenheit, auf den 25. Geburtstag der New Yorker Lärmkombo mit dem speziellen Popappeal anzustoßen.

Gerhard Stöger in FALTER 3/2007



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